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Ja, das gibt es. Vor 2 Wochen hatte ich die Gelegenheit, eine Erzieherklasse im Unterricht zu besuchen und ein wenig aus der Inklusionspraxis zu plaudern. Hier meine Eindrücke.

Ich habe bis Ende August gar nicht gewusst, dass es das Fach Inklusion als Unterrichtsfach gibt. Mit Inklusion habe ich selber eher schlechte Erfahrungen gemacht, zumindest in der Schule, und ging daher wohl intuitiv davon aus, dass niemand darüber etwas lernt, wie so etwas funktionieren kann oder was man dabei beachten muss. Offensichtlich ist das anders. Ich lernte nämlich eine Psychologin kennen, die dieses Fach unterrichtet. Laut ihrer Angabe handelt es sich dabei um ein kleines, praxisorientiertes Fach, welches noch nicht durch Lehrpläne reglementiert ist und somit den Dozenten viele Freiheiten über den Inhalt lässt. Klingt nach einer tollen Sache. Jedenfalls wurde ich von ihr gefragt, ob ich denn einmal in ihren Ausbildungskurs kommen und als Betroffene davon erzählen wollte. Klar, warum denn nicht? Ich finde es eigentlich immer gut, andere Menschen über meine Behinderung und die damit einhergehenden Hindernisse oder Schwierigkeiten aufzuklären, denn meiner Erfahrung nach sind viele Menschen nicht ausreichend informiert, was die Interaktion manchmal erschweren kann.

Irgendwie hatte ich mir unter Inklusion als Unterrichtsfach nicht viel vorstellen können. Ich dachte, man macht halt Theorie, was ist Inklusion, und liest dazu irgendwelche Literatur oder so. Klingt erst mal vernünftig, bleibt aber vielleicht nicht unbedingt im Gedächtnis. Ich erfuhr dann aber auf Nachfrage, dass ich nicht die einzige bin, die die Klasse treffen wird. Es sind auch Besuche in anderen Einrichtungen geplant, so bspw. in einer Einrichtung für Hochbegabte oder auch der Besuch einer Straßenkreuzerführung. Die Dozentin hatte damals die Klasse nach ihren Interessen gefragt und das kam u. a. dabei heraus. Besonders spannend finde ich auch, dass Inklusion als sehr breites Spektrum begriffen wird, in welchem eben auch Ausländer und Randgruppen ihren Platz haben. Ich selber hatte in erster Linie an Behinderte und Benachteiligte gedacht, hatte aber bei Benachteiligte z. B. obdachlose Menschen erst mal überhaupt nicht auf dem Schirm.

Natürlich beschäftigt sich die Klasse aber auch mit der Theorie der Inklusion. So soll bspw. auch ein Blick in die UN Menschenrechtskonvention geworfen werden, ein Dokument, von dem ich z. B. kaum eine Ahnung habe, was eigentlich drin steht. Insgesamt klingt es also für mich nach einem guten Plan, und vermutlich werden die jungen Leute am Ende des Schuljahres mehr über Inklusion wissen als ich. Aber so soll es ja auch sein.

Wenn ihr das jetzt alles schon wusstet, entschuldigt den langen Sermon. Ich selber wusste das alles jedenfalls noch nicht, und wollte das gerne mit euch teilen.
Das Treffen selber war wirklich sehr schön. Ich wusste nicht so recht, worauf ich mich einstellen musste, aber als ich in die Klasse kam, herrschte eine herzliche Atmosphäre, in der ich mich gleich wohl fühlte. Eine Schülerin hatte einen Kuchen gebacken, der sicherlich einiges ihrer Zeit in Anspruch genommen hatte, aber auch wirklich sehr gut schmeckte. Dazu gab es Kaffee und Tee und ich dachte so bei mir, das ist ja ein ganz gechillter Unterricht, wenn es da immer Kaffee und Kuchen gibt. Aber vermutlich war das eine Ausnahme. 🙂

Jedenfalls aß ich meinen Kuchen und beantwortete nebenher alle möglichen Fragen, vor allem in Bezug auf meine Behinderung. Die meisten Fragen habe ich schon öfter gehört – z. B. wie ich meine Kleidung sortierte, damit sie zusammenpasste, oder wie ich kochte und putzte – aber das machte mir nichts aus. Nach ein paar Anfangsschwierigkeiten wurden die Schüler recht lebhaft und trauten sich zunehmend, mir auch persönliche Fragen zu stellen. Die Dozentin hielt sich insgesamt eher zurück und gab nur ab und an Anstöße in eine für sie wichtige Richtung (jedenfalls gehe ich davon aus 🙂 ). Wir unterhielten uns neben den blindentypischen Problemen im Alltag dann auch über die Inklusion, vor allem in der Schule, und kamen in einen regen Austausch darüber, was sich wie umsetzen ließe, was man besser vermeiden sollte und woran man denken musste (z. B. Interaktionsspiele, die auch für Blinde gut spielbar sind, Nachteilsausgleich der Klasse und auch den anderen Eltern verständlich machen usw.).
Ich war ca. 1,5 Stunden in der Klasse und am Ende hatte ich das Gefühl, dass die allerwichtigsten Fragen, die den Schülern unter den Nägeln gebrannt hatten, auch geklärt worden waren, sodass ich mit einem guten Gefühl nach Hause gehen konnte.

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