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Heutzutage kommt man bei einer Registrierung um einen Spamschutz nicht herum. Es ist auch völlig verständlich, dass Anbieter sich gegen die möglicherweise aufkommenden Flutwellen von Spamanmeldungen schützen müssen. Wenn dieser Schutz aber für Randgruppen unüberwindbar ist, muss man sich doch mit ein bisschen Zynismus fragen, ob z. B. wir Blinden auch zum Spam zählen.

Problembeschreibung

Heute morgen hatte ich folgendes Problem. Ich wollte ein Fax versenden. Das alein ist schon ziemlich schwierig, wenn man kein Faxgerät hat, denn die Post versendet keine Faxe mehr. Eine Internetrecherche führte mich dann zu einem kostenlosen Faxanbieter. Um diesen zu nutzen, musste ich mich registrieren. Ich versende zwar nur alle Schaltjahre mal ein Fax, aber macht ja nix. Ich klickte also auf die Seite mit der Registrierung. In weiser Voraussicht scrollte ich schon mal ganz unten zum Registrieren Knopf und dort fand ich ihn, den fiesen Spamschutz. „Bitte geben Sie dem Code aus dem nebenstehenden Bild ein.“ Ähm ja. Code eingeben? Bild? Diskriminierung oder was?

Vermutlich nicht. Ich unterstelle mal, dass die meisten Anbieter von irgendwas gar nicht auf den Gedanken kommen, dass Blinden ein Bild mit einem Code völlig unzugänglich ist. Wir können im Internet mit entsprechender Hilfs-Software zwar sehr viele Dinge erfahren, aber ein Code, der in einer Grafik eingebettet ist, kann von keiner Hilfs-Software ausgelesen werden. Das macht ja im Grunde auch Sinn, denn der Spamschutz dient ja gerade dazu, automatische Anmeldungen unmöglich zu machen. Das Problem ist aber, dass wir den Code eben nicht lesen können und demzufolge eine Anmeldung nur mit erheblichem Aufwand möglich ist.

Für Windows gibt es inzwischen einige Möglichkeiten, mit diesen Codes zurechtzukommen. Es gibt beispielsweise für den Mozilla Firefox eine Erweiterung namens webvisum. Man kann diese nur nutzen, wenn man von einem anderen Nutzer dazu eingeladen wird. Die Erweiterung führt dann auf einer Seite mit einem Captcha eine Texterkennung durch und schickt das Ergebnis an die Zwischenablage des Computers.
Für den Internet Explorer gibt es auch einen Dienst, dessen Name mir aber leider nicht mehr einfällt. Das Prinzip dabei ist, dass das Captcha an viele teilnehmende Nutzer verschickt wird und ein Nutzer, der gerade online ist, einem das Ergebnis mitteilt (habe ich selbst aber noch nicht ausprobiert).

Das Problem ist, ich bin Mac- Nutzer und für den Mac gibt es noch nichts in diese Richtung. Kein Problem, dachte ich, immerhin besitze ich noch ein altes Windows Netbook, allerdings auch mit schon etwas älterer Software. Dort läuft nur der Firefox 3. Ich rief also die Seite auf und erhielt sinngemäß die folgende Meldung: „Ihr Browser ist veraltet. Die Inhalte dieser Seite können deshalb nicht angezeigt werden.“
Mir blieb also nur noch die Möglichkeit, Windows 7 in meiner virtuellen Maschine anzuwerfen, dort den Firefox zu installieren, Webvisum zu installieren … Darauf hatte ich keine Lust. Es muss doch bitte möglich sein, sich irgendwo anzumelden, ohne gleich immensen Aufwand betreiben zu müssen. Eine sehende Person habe ich übrigens gerade auch nicht zur Hand, und das Fax muss heute Vormittag noch raus. Ich werde also sehen müssen, wer es mir verschickt.

Aber es geht nicht nur um mein dämliches Fax. Ich finde, es sollte grundsätzlich möglich sein, dass ich mich als Blinder ohne fremde Hilfe irgendwo anmelde. Es geht niemanden etwas an, bei welchen Webseiten ich Mitglied bin. Theoretisch könnte es ja auch sein, dass ich mich bei einer Sex-Date-Seite anmelden möchte, und dass ich nicht unbedingt möchte, dass mir ein Freund oder Familienmitglied dabei hilft. Das ist vielleicht ein komisches Beispiel, aber mir fiel auf die Schnelle kein Besseres ein. Andererseits finde ich auch nicht, dass ich mich dafür rechtfertigen muss, wenn ich mich irgendwo selbständig anmelden möchte. Müssen Sehende ja auch nicht.

Welche Alternativen gibt es?

  • Das liebe Audiocaptcha. Jeder, der sich das schon einmal angetan hat, wird wissen, dass das definitiv keine Alternative ist. Wer noch nicht in diesen Genuss gekommen ist, sollte sich das unbedingt einmal antun. Die Zahlen dort sind meistens so schwer zu verstehen, dass man grundsätzlich immer den falschen Code eingibt. Ich mache üblicherweise drei Versuche mit drei verschiedenen Captchas, und wenn es dann nicht klappt, gebe ich es entnervt auf.
  • Bestätigung per EMail. Dies ist eine Methode, die bereits recht weit verbreitet ist. Hierbei wird ein Konto o. ä. erst aktiviert, wenn man vom Anbieter eine Mail an die eingegebene Mailadresse erhalten und dort auf einen Bestätigungslink geklickt hat. Dies ist eine unkomplizierte, barrierefreie Methode, und ich schätze, es ist noch viel zu wenig Lob an Webseiten geschrieben worden, die das so praktizieren, weshalb ich das an dieser Stelle öffentlich nachholen möchte. Es ist toll, so etwas vorzufinden. Hier hat jemand mitgedacht.
  • Lösen von Rechenaufgaben oder Beantwortung kleiner Fragen. Diese Methode ist, glaube ich, relativ neu, jedenfalls kam sie mir erst in den letzten Jahren vermehrt unter. Hierbei muss man kleine Rechenaufgaben lösen, die in lesbarer Form auf der Seite vorliegen, oder man muss kleine Fragen beantworten, z. B. wie viele Beine eine Katze hat. Die Antwort gibt man auch in ein Feld ein und kann danach die Registrierung abschließen. Auch das ist eine sehr schöne, barrierefreie Methode, für die ich hier auch ein Lob aussprechen möchte an alle Webseitenbetreiber, die sie verwenden.

Fazit

Es gibt offenbar einige barrierefreie Alternativen zum Spamschutz. Leider weiß ich nicht, wie viel es einen Anbieter kosten würde, den Spamschutz zu wechseln. Auch weiß ich nicht, ob diese Methoden gegen Spam genauso gut funktionieren wie der Captcha Code. Ich schreibe Webseitenbetreiber aber regelmäßig an und weise höflich auf dieses Problem hin. Leider ist der Rücklauf recht mau bis gar nicht vorhanden, und ich weiß nicht genau, ob das Problem einfach niemanden interessiert, oder ob keine Zeit ist, sich darum zu kümmern. Besonders frustrierend sind auch die Webseitenbetreiber, bei denen sogar das Kontaktformular durch einen Spamschutz mit Bild geschützt ist. Auf diese Weise kann man sich natürlich auch die unbequemen Forderungen nach Barrierefreiheit gut vom Hals schaffen. Aber wie gesagt unterstelle ich jetzt einfach mal, dass die meisten sich gar nicht so viele Gedanken über die Barrierefreiheit ihrer Spamschutzmaßnahmen machen, und möchte an dieser Stelle darum bitten, dass alle, die irgendwie Einfluss auf so etwas haben, daran denken, und für mehr Barrierefreiheit sorgen, wo auch immer es geht.

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