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Pünktlich zum Jahresbeginn möchte ich heute einmal über meine positiven Erfahrungen mit einem Software-Entwickler sprechen. Es geht um das Programm Scrivener, und die Programmierer legen viel Wert auf Zugänglichkeit. So sollte das sein!

Ich habe ein Hobby und das ist, Geschichten zu schreiben. Und für Geschichten braucht man nicht nur einen Editor, sondern man braucht Notizzettel, wo man Ideen und Gedankenfetzen aufschreibt oder sich über Figuren austobt, Rechercheergebnisse festhält etc. Lange habe ich gedacht, ist ja kein Problem, ich speichere das in meinem Kopf. Irgendwann musste ich dann feststellen, dass ich einige gute Ideen wieder vergessen hatte, und begann sie aufzuschreiben. Dann stellte ich fest, dass ich die einzelnen Dateien nicht wiederfinden konnte 🙂 Deshalb musste ein Programm her, wo ich alles an einem gemeinsamen Ort ablegen und schnell wiederfinden konnte. Für Windows habe ich damals nichts gefunden, aber seit 2 Jahren nutze ich einen Mac, und da fand ich den Scrivener. Er kann alles, was ich eben beschrieben habe, und noch einiges mehr. Alle tollen Funktionen aufzuschreiben, würde hier den Rahmen sprengen. Wer sich also dafür interessiert, findet hier mehr Infos: http://www.literatureandlatte.com

Ich habe die Demoversion ausprobiert und war positiv überrascht, dass das Programm bereits recht gut mit der mac-eigenen Sprachausgabe VoiceOver zusammenarbeitete. Irgendwann stieß ich aber eher durch Zufall auf ein ziemlich großes Zugänglichkeitsproblem. Ich hatte mir eine eigene Vorlage für meine Projekte gebastelt, konnte sie aber im Vorlagendialog nicht auswählen. Ich schrieb daraufhin den Support von Scrivener an und bat um Hilfe. Die Kontaktaufnahme ging wirklich sehr schnell und ich musste meist nicht länger als 24 h auf eine Antwort warten. Gemeinsam fanden wir heraus, dass die Vorlagenauswahl grafisch gestaltet war, was zur Folge hatte, dass ich aus den vorgefertigten Vorlagen auch immer nur die erste auswählen konnte. Tja, was nun?

Zunächst wurde mir von einem Mitarbeiter ein Workaround vorgeschlagen. Außerdem bekam ich auf Anfrage eine Liste aller vorgefertigten Vorlagen, und wiederum auf Anfrage diejenigen, die ich mir näher ansehen wollte als eine Datei, die ich im Scrivener einlesen konnte. Mir wurde mitgeteilt, dass den Entwicklern die Zugänglichkeit ihrer Software sehr am Herzen liege, und dass sie darüber nachdächten, wie das Problem gelöst werden könne. Sie sagten aber auch, dass sie nicht sagen könnten, wie lange es dauern würde, bis das Problem gelöst sei, zumal dieser Teil des Programms von jemandem außerhalb geschrieben worden sei. Ich bedankte mich also und harrte der Dinge, die da kommen mochten.

Einige Wochen später meldete sich ein anderer Mitarbeiter vom Support und teilte mir mit, dass das Problem inzwischen gelöst worden sei. Der Entwickler von Scrivener habe den unzugänglichen Teil des Programms noch einmal komplett neu geschrieben, und jetzt sollten die Vorlagen alle auswählbar sein. Sie baten mich um Feedback, ob das alles funktioniere. Kurze Zeit später erschien dann ein kostenloses Update des Programms, in welchem das Problem behoben war.

Fairerweise muss ich erwähnen, dass ich interessehalber auch die Windows Version von Scrivener ausprobiert habe. Leider bin ich aber bereits an der scheinbar grafischen und auf jeden Fall für Screenreader unzugänglichen Installationsroutine gescheitert. Ich weiß nicht, ob die Windows Version außerhalb oder im Haus selbst programmiert wurde, denn das Programm gab es ursprünglich nur für den Mac. Aber ich bin mir sicher, dass eine Anfrage sich lohnen würde. Da ich aber nur mit dem Mac arbeite, habe ich mich nicht weiter darum gekümmert.

Ich habe auch in der Mac Version noch einige kleinere Zugänglichkeitsprobleme gefunden und plane, auch diese an die Entwickler weiterzumelden. Der Kontakt war sehr angenehm, und die prompte Lösung hat mich wirklich sehr überrascht, sodass ich das Programm jetzt noch lieber nutze als zuvor. Es ist schön, wenn man weiß, dass man mit seinen Zugänglichkeitsbelangen ernst genommen und nicht nur mit leeren Versprechungen abgespeist wird, die nie erfüllt werden. Wenn alle Programmierer so auf Zugänglichkeitsprobleme reagieren würden, wäre die Welt um einige Hindernisse ärmer.

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