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Stellt euch einmal folgendes Szenario vor: Ihr besucht eine Freundin, die ihr schon länger nicht mehr gesehen habt. Als sie die Tür öffnet, seht ihr sofort das blaue Auge, das euch entgegenstrahlt. „Oh, bist du geschlagen worden?“, fragt ihr. „Nein“, antwortet sie, „ich bin gegen ein Baugerüst gelaufen.“ Klingt nach Ausrede? Aus dem Mund einer blinden Person ganz und gar nicht 😉

Nach dieser Einleitung muss ich mich erst einmal für die lange Pause entschuldigen. Die Zeit geht wirklich wirklich schnell vorbei, und nachdem ich zuletzt etwas eher Negatives geschrieben habe, musste ich erst mal eine Weile überlegen, was ich schreiben könnte, denn es sollte nach der langen Zeit doch bitte etwas Positives sein. Das wiederum ist nicht so einfach, denn mir persönlich fallen eher die negativen Dinge auf, und die positiven sind so klein, dass es sich kaum lohnt, darüber einen Blogartikel zu schreiben. Zuletzt habe ich aber doch noch etwas gefunden, das beide Seiten beinhaltet.

Und was hat das Ganze jetzt mit schmalen und breiten Füßen zu tun?, mag sich manch einer fragen. Natürlich geht es nicht um den Körperteil Fuß, sondern um die Füße von Baugerüsten, Fahrradschranken, Verkehrsschildern usw. Meist ist das Problem, dass die Füße recht schmal sind, z. B. nur so breit wie ein schmaler Pfosten. Oder sie sind so angebracht, dass sie weit an der Seite sind, dort, wo man nicht entlangläuft. Das Problem: Wenn man mit dem Stock einen Weg geht, liegen diese Füße außerhalb des Stockradius. Die Querbalken liegen aber meist sehr schön auf Mund- oder Stirnhöhe, je nach Hindernis und eigener Körpergröße. Ist es euch schon mal passiert, dass ihr irgendwo entlang geht und plötzlich völlig unerwartet – doing – mit der Stirn irgendwo anstoßt? Mir ist das letztens passiert. Glücklicherweise war ich in weiser Voraussicht (der Weg ist immer voller Hindernisse) nicht in meinem üblichen Tempo unterwegs. Das hätte sonst wohl eine ziemliche Beule gegeben.

Ein anderer Fall nervt mich auch sehr. Wir haben vor dem Haus an der Einfahrt eine bauchhohe Schranke, die verhindert, dass Autos rein -und rausfahren. Die Verankerung der Schranke ist ganz weit am Wegesrand. Die Querstange reicht aber weit in den Weg hinein. Nachdem ich ein paarmal ziemlich unsanft dagegen geprallt bin – so eine Stange im Bauch ist echt nicht angenehm -, schrieb ich einen Brief an unsere Wohnungsbaugemeinschaft, wo ich den Fall schilderte und darum bat eine andere Lösung zu finden – ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, worum ich genau bat. Ich erhielt auf diesen Brief nicht einmal irgendeine Antwort, geschweige denn, dass sich jemand dafür interessiert hätte. Die Schranke ist natürlich immer noch da, und ich laufe eben jetzt immer nah am anderen Wegesrand. Schade eigentlich, dass ich mich da nicht mal ernsthafter verletzt habe, dann hätte ich versucht, Schmerzensgeld einzuklagen 😉 Übrigens weiß ich gar nicht, ob das geht, aber Fakt ist, dass man sich gerade bei Baugerüsten als blinder Mensch wirklich verletzen kann.

Klar könnte man jetzt dagegen argumentieren, dass es doch so etwas wie eine Schutzhaltung gibt, die man anwenden kann. Jaja, natürlich gibt es so etwas. Dabei hält man sich die freie Hand entweder vor den Kopf oder aber vor den Bauch. Beides geht natürlich nicht. Wenn aber die Hand am Kopf ist und es Koppt ein Hindernis auf Bauchhöhe, dann ist es mit der Schutzhaltung auch nicht weit her, und mal ehrlich, wer hat schon Lust, die ganze Zeit mit vorgestreckter Hand herumzulaufen? Ganz zu schweigen davon, dass man ja auch oft Einkäufe oder einen Regenschirm mit sich herumtragen muss. Und gerade letzterer nützt einem vergleichsweise wenig, wenn er sich vor dem Kopf befindet 😉

Zuletzt möchte ich aber auch noch etwas Positives berichten. Letztens tauchten auf meinem Arbeitsweg gleich zwei Baustellen auf, und netterweise auch gleich auf beiden Straßenseiten derselben Straße. Durch die eine Baustelle kann man nicht durch, also führt mich mein Weg jetzt täglich durch die andere Baustelle. Immerhin weniger Kamikaze als der Gang über die Fahrbahn 😉 Dort fielen mir dann schon bald positiv die Schilder auf. Ich weiß nicht, wie genau die unten aussehen, habe nicht hingefasst, aber es ist jedenfalls irgendetwas, das ein tockendes Geräusch produziert, wenn man mit dem Stock dagegen schlägt, und es ist etwas größer als der übliche Standardpfosten. Ich bin jedenfalls bisher immer gut an den Schildern vorbeigekommen, und sie haben sich mir immer angemessen in den Weg gestellt. Danke dafür 😉 Bei Fahrradsperrschranken ist die Verankerung auch öfter in der Mitte des Weges, sodass man mit dem Stock zuverlässig dagegen schlagen kann. Leider ist dies aber auch oft nicht so, und dann kann es einem passieren, dass man völlig ohne Vorwarnung irgendwo gegen knallt. Wenn ich also einen Wunsch frei hätte, wäre dies irgendeine Ankündigung am Boden, dass jetzt gleich ein Baugerüst oder sonst irgendetwas anderes auf Körperhöhe kommt. Was genau das sein könnte, keine Ahnung, vielleicht hat ja jemand eine Idee dazu. Solange sich da kein Standard etabliert hat, werde ich mir wohl weiterhin meine täglichen blauen Flecke und Blutergüsse und Dellen abholen. Ich kann ja eigentlich auch fast nicht mehr ohne 😉

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