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Diese Frage dürfte zu den am häufigsten gefragten Dingen in meinem Leben als Blinde gehören, v. a. von Kassierern. Und aus aktuellem Anlass – im September kommt eine neue 10-Euro-Banknote – möchte ich das Geheimnis lüften und darüber schreiben 🙂

Es ist immer derselbe Mist: Man steht an der Kasse, hinter einem eine lange Schlange, vor einem der nicht eingepackte Einkauf, der Geldbeutel in der einen Hand, das Geld in der anderen, der Stock ist unter dem Arm eingeklemmt, damit er nicht wegrutscht, und man möchte idealerweise ungefähr die Summe bezahlen, die auch gefordert wurde. Das dauert für mich eine gefühlte Ewigkeit, und ohne eine gewisse „Ist mir egal, wie lange die anderen jetzt warten“ Einstellung lässt sich Stress kaum vermeiden. Häufig bekomme ich aber die Rückmeldung, dass es ja gar nicht so lange gedauert hat, bis ich das Geld herausgesucht habe. V. a. wenn ich dann auch noch die €13,42 richtig in die Hand der Kassiererin zähle, ist das Erstaunen groß. Woran erkennen Sie das Geld? Und gibt es auf den Euroscheinen Erkennungsmerkmale für sie?

Ja und jain 🙂 Fangen wir erst mal bei den Münzen an. Die haben seit ihrer ersten Stunde unterschiedliche Erkennungsmerkmale. So ist der Rand der 2-Euro-Münze recht fein geriffelt, und die Münze ist insgesamt die größte von allen. 1 Euro erkennt man daran, dass sich die fein geriffelte Struktur am Rand mit einer glatten Struktur immer abwechselt. Die Münze ist etwas kleiner. Die 50 Cent sind am Rand sehr grob geriffelt, aber dafür ungefähr so groß wie die 1-Euro-Münze. Die 20 Cent sind kleiner als die 50 Cent, und der glatte Rand wird alle paar Millimeter in regelmäßigen Abständen durch eine deutlich fühlbare Einkerbung unterbrochen. Die 10 Cent wiederum sind ähnlich grob geriffelt wie die 50 Cent, aber deutlich kleiner als eben jene. Nur die 1, 2 und 5 Cent sind alle glatt und nur anhand ihrer Größe zu unterscheiden.

Funktioniert das?, wird sich nun der geneigte Leser fragen. Die Antwort lautet ja. Zumindest für mich, und ich bin wahrscheinlich nicht das Maß aller Dinge. Aber ich finde, dass das System gut durchdacht ist. Es werden gut fühlbare Unterschiede angeboten, und wo es Ähnlichkeiten gibt, ist mit Hilfe der Größenunterschiede sehr schnell klar, welche Münze man in der Hand hat. Die 50 und die 10 Cent sind z. B. gleich grob geriffent, aber da die 10 Cent viel kleiner sind, ist ein Fehlgriff praktisch ausgeschlossen. Die 20 Cent haben als einzige nur einzelne Einkerbungen und sind dadurch auch leicht erkennbar. An der 1 Euro Münze muss ich manchmal etwas länger herumfingern, aber meist erkenne ich sie schon ungefähr an der Größe und der Beschaffenheit des Randes. Inzwischen kann ich sogar die kleinen Centmünzen schon relativ schnell anhand der Größe voneinander unterscheiden.

Was die Scheine angeht, sind die Leute immer wieder erstaunt, wenn ich erzähle, dass es keine speziellen Merkmale für Blinde gibt. Ich war ehrlich gesagt auch etwas erstaunt, immerhin wurde der Euro ja lange geplant. Andererseits konnte ich mit den Kennzeichen auf den Markscheinen auch nicht viel anfangen, weil die Scheine dafür meist schon viel zu zerknittert bei mir ankamen. Immerhin unterscheiden sich die Euroscheine deutlich anhand ihrer Größe, anders als die Mark.

Erfreulicherweise gibt es auf den neuen 5-Euro-Scheinen nun doch Merkmale. An den kurzen Kanten sind kurze schräge Linien angebracht worden, die sich leicht geriffelt anfühlen. Außerdem gibt es noch eine kleine und eine große 5, die angeblich fühlbar sind. Ich konnte sie bei meinem ersten Versuch nicht auf Anhieb finden, und konnte sie auch nicht wirklich fühlen, nachdem eine sehende Person meinen Finger drauf gelegt hat. Ich denke, mein Schein war mal wieder zu zerknittert. Aber die Linien kann man meistens schon gut ertasten, und in Kombination mit der Größe ist das schon eine große Hilfe.

Am 23. September kommen die neuen 10-Euro-Banknoten. Meine Internetrecherche ergab, dass es wieder die Linien am Rand geben wird, aber diesmal mit einer deutlich fühlbaren Unterbrechung zwischendrin. Ich bin sehr gespannt, ob der Schein hält, was er verspricht. Generell ist es, denke ich, extrem schwierig, ein Merkmal zu finden, das all die Knitterungen eines Scheins übersteht und weiterhin ertastbar bleibt. Wer dazu noch Ideen hat, immer her damit 🙂

Für die Gelderkennung gibt es natürlich auch Hilfsmittel, z. B. eine Schablone, in welche man den Schein oder die Münze hineinschiebt und dann abliest, um welchen Geldwert es sich handelt. In der Praxis ist so ein Hilfsmittel für mich persönlich aber untauglich, weil es viel zu viel Zeit braucht, bis ich das Geld reingeschoben und den Wert ertastet habe. Außerdem habe ich auch nur zwei Hände, um meinen Geldbeutel, mein Geld, mein Hilfsmittel und meinen Stock festzuhalten. Das klappt für mich einfach nicht. Dafür habe ich eine andere Taktik gewählt. Meine Scheine werden von mir unterschiedlich gefaltet. 10 Euro einmal, 20 Euro zweimal, 5 und ggf. 50 Euro bleiben ungefaltet. Die beiden unterscheiden sich in der Größe so deutlich voneinander, dass ein Fehlgriff ausgeschlossen ist 🙂 Außerdem habe ich in meinem Geldbeutel zwei Fächer mit Reißverschluss. Meist sortiere ich mein Kleingeld deshalb so, dass die Großen Münzen zwischen 50 Cent und 2 Euro in einem Fach liegen, und der Rest in dem anderen Fach. Auf diese Weise finde ich mein Geld in der Regel relativ schnell und muss nicht lange herumüberlegen, ob ich dem Kassierer das richtige gegeben habe. Kassierer sind zwar meistens auch sehr hilfsbereit, und ich vertraue durchaus darauf, dass sie mich nicht betrügen, aber trotzdem fühle ich mich wohler, wenn ich weiß, dass ich 20 Euro gezahlt habe und dann auch ungefähr ausrechnen kann, wie hoch mein Wechselgeld ist. In diesem Sinne wünsche ich euch allen, egal ob blind oder sehend, viel Spaß beim Geldausgeben!

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