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Aus aktuellem Anlass möchte ich euch heute von einigen Problemen erzählen, die ich im Zusammenhang mit meiner Gesundheit immer wieder erlebe und für die ich noch keine Lösung gefunden habe. Habt ihr schon einmal versucht, mit geschlossenen Augen einen Löffel mit Hustensaft zu füllen oder 18 Tropfen abzuzählen? Falls ja, willkommen in meiner Welt. Falls nicht, viel Spaß beim Ausprobieren.

Glücklicherweise bin ich wirklich selten krank, aber wenn ich es mal bin, stehe ich doch immer wieder vor denselben lästigen Problemen. Als ich am letztens aufwachte, fühlte ich mich gar nicht gut. Ich hatte Gliederschmerzen und Schüttelfrost, mein Kreislauf war im Keller und mir war recht flau im Magen. Also was tun? Ganz klar, ein Medikament musste her! Ich überwand mich also nach einer Weile und tappte los. Ich wusste, wir hatten irgendwo noch MCP-Tropfen, und Gott sei Dank sind die Medikamentenschachteln inzwischen mit Punktschrift versehen. Entsprechend konnte ich das Medikament auch recht bald finden. Das erste Problem ließ aber nicht lange auf sich warten.

Medikament öffnen. Die MCP-Flasche war bisher noch nicht benutzt worden. Ich drehte sie also in der Hand und fragte mich, wie ich sie wohl aufbekommen sollte. Was musste man da machen? Vermutlich den Stöpsel aufdrehen wie bei einer Saftflasche, und weiter? Ich beschloss, mit dem Nächstliegenden zu beginnen. Der Stöpsel ließ sich drehen und unten sprang der Plastikring ab, ähnlich wie bei einer Wasserflasche. Aber als ich dann die Flasche auf den Kopf stellte und mir probeweise in die Hand tropfen lassen wollte, stellte ich fest, dass nichts aus der Flasche kam. Was nun? Ich untersuchte mit den Fingern die Öffnung. Es fühlte sich ein bisschen so an, als hätte jemand in die schmale runde Öffnung einen Strohhalm reingesteckt. Man konnte aber auch zwischen Flaschenrand und Strohhalm einen Schlitz ertasten. Was musste man da machen? Irgendwas drehen oder abziehen vielleicht? Oder irgendwo ein Loch durchstechen, wie man es bei Zahnpastatuben macht?

Tropfen abzählen. Nach einigem Gefummel gelang es mir, der Flasche einige Tropfen zu entlocken. Diese landeten allerdings noch nicht in meinem Mund. Wie sollte ich 34 Tropfen dosieren und in was? Wenn es tropft, dann hört man kurze tickende Geräusche, wenn man gut aufpasst, aber die rasseln so schnell an einem vorbei, dass man nicht gut mitzählen kann. Außerdem weiß ich z. B. auch gar nicht, ob da bei jedem Tickgeräusch auch wirklich ein Tropfen rauskommt. Und in welchen Behälter tropfen? Einen Löffel kann ich nicht wirklich gerade halten, und wenn doch, verliere ich den Inhalt vielleicht auf den Weg zum Mund. Alles ziemlich kompliziert. Irgendwie gelang es mir dann aber doch, einige Tropfen in meinen Mund zu befördern. Ob es zu viele oder zu wenige waren, keine Ahnung, tendenziell zu viele, aber geschadet hat es mir nicht. Das flaue Gefühl verging zumindest bald.

Die richtige Dosis einnehmen. Meine Gliederschmerzen schleppte ich aber mit zur Arbeit und wieder nach Hause und tags darauf ebenso. Ich hatte noch eine Tablette Ibuprofen 400 in meiner Handtasche, die nahm ich morgens ein. Das ging etwa bis Mittag gut, danach war Schluss und ich akzeptierte, dass ich ins Bett gehörte. Am Abend wollte ich dann noch ein Ibuprofen einnehmen, um eine halbwegs ruhige Nacht zu gewährleisten. In einer anderen Handtasche fand ich noch eine Tablette. Leider wusste ich nicht mehr, ob es nun eine 400 oder eine 600 Tablette war. Die großen Pappschachteln, wo das drauf steht, trage ich in der Regel mangels Platz nicht mit mir herum. Und auf den Tabletten selber steht es nur in Schwarzschrift. Nachdem ich aber fast 39 Grad Fieber hatte und mir alles weh tat, beschloss ich, dass es mir egal war. Ich schluckte also die Tablette und harrte der Dinge, die da kamen. Bald merkte ich, dass es eine 600 Tablette gewesen war. Die fühlt sich anders an als die 400, und ich habe es mir später aus reiner Neugier auch noch mal bestätigen lassen. Umgekehrt habe ich aber auch schon mal eine halbe eingenommen, weil ich dachte, es wäre 600 gewesen, und mich dann gewundert, dass ich keine Wirkung gespürt hatte. Hinterher fand ich dann heraus, dass ich nur 200 eingenommen hatte. Das mit der ruhigen Nacht ging übrigens nicht so auf wie gedacht.

Ein barrierefreies Medikament verschrieben bekommen. Man sollte ja denken, wenn man als Blinder Mensch keine Tropfen benutzen kann, gibt es Alternativen, aber ein Medikament auf Rezept zu bekommen, das man auch problemlos einnehmen kann, ist gar nicht so leicht. Einmal saß ich bei meiner Hausärztin und wollte mir etwas gegen Husten verschreiben lassen. Zuerst schlug sie mir einen Hustensaft vor. Ich lehnte dies ab, weil ich nicht mit Flaschen und flachen Löffeln hantieren wollte – da geht eh immer viel zu viel daneben. Dann schlug sie mir Tropfen vor, die ich aus oben genannten Gründen ebenfalls ablehnte. Anschließend meinte sie, sie könnte mir noch Kapseln verschreiben, aber leider müsste ich die dann selber zahlen, weil meine Krankenkasse keinen Vertrag mit der Firma hätte oder so was – spätestens hier muss man sagen Willkommen in unserer inklusiven Welt. Ich muss also meine Medikamente selber zahlen, weil ich behindert bin und mit denen, die gezahlt werden, nicht zurechtkomme – persönliches Pech.

Weitere Probleme. Letztens habe ich zum ersten Mal Augentropfen benutzt, weil meine Augen sehr trocken waren. Das ging sogar verhältnismäßig gut, allerdings weiß ich nicht, ob ich mir damit nicht eher geschadet als genützt habe. Ich habe einmal gelesen, dass man beim Tropfen mit der Spitze der Flasche nicht das Auge berühren darf, um keine Keime darauf zu übertragen. Man sollte dann aber wohl auch nicht die Spitze mit den Fingern berühren, weil man damit dann ja auch Keime auf die Flasche überträgt. Ich weiß jetzt nicht, ob die Keime beim Tropfen dann mitgenommen werden und doch im Auge landen, aber auf jeden Fall kann ich mir die Tropfen nicht geben, ohne zumindest die Flaschenspitze zu berühren. Wie soll ich sonst abschätzen, ob die Flasche halbwegs richtig positioniert ist? Vielleicht bin ich an dieser Stelle auch ein bisschen paranoid, aber gerade im Auge möchte ich ja nun auch nicht irgendwelche Keime haben.
Ein anderes, recht nerviges Problem, sind die Beipackzettel bzw. Dosierungsvorschriften. Es ist kein Problem, so einen Zettel im Internet zu finden und zu lesen, wenn man gesund ist, aber wenn man krank ist, kann das zu einem ziemlich großen Problem werden. Zumindest ich kann mit 38 Grad Fieber nicht mehr vernünftig im Netz recherchieren, zumal gerade Beipackzettel meiner Ansicht nach auch nicht besonders übersichtlich sind. Ich finde da jedenfalls nie auf Anhieb das, was ich suche, und ich kenne auch einige sehende Menschen, denen es genauso geht.
Es gibt aber auch noch andere nette Späße. In der Fernsehwerbung läuft z. B. manchmal eine Werbung für ein Nagelpilzmittel. Glücklicherweise hatte ich so etwas noch nie, denn laut dieser Werbung handelt es sich um einen Nagellack. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich mir die Nägel lackieren sollte, ohne mir dabei die Hände komplett einzusauen. Außerdem gibt es ja auch noch Tinkturen, die man nur auf die zu behandelnde Stelle tupfen darf und so weiter. Das alles ist ziemlich schwierig und für mich auch noch nicht gelöst. Und natürlich gelten diese Probleme auch für ggf. vorhandene Kinder oder Haustiere, die man als blinder Mensch vielleicht behandeln muss.

Und wo wir schon beim Thema Medikamente sind, ist das Thema Krankheiten nicht weit. Ich habe mich auch schon oft gefragt, wie man als blinder Mensch merken soll, wenn etwas an den eigenen Ausscheidungen nicht stimmt, z. B. ob man Blut im Stuhl oder im Urin hat. Ja, jetzt werden einige sicher denken, iiih, wieso schreibt die über so etwas Ekliges. Deshalb führe ich an dieser Stelle mal nicht weiter aus. Wer mag, kann sich das ja analog für alle anderen möglichen Körperflüssigkeiten überlegen. Nicht immer ist es so, dass man neben diesem Symptom auch noch andere Symptome hat, die einen Hinweis auf eine Erkrankung geben würden und von jemandem ,der nicht sieht, leichter bemerkt werden können. Ich hoffe deshalb im Sinne meiner Gesundheit, dass es nicht zu spät ist, wenn ich Symptome entdecke, die für mich entdeckbar sind.

Ich habe für all diese Probleme keine Lösung, aber das bedeutet sicher nicht, dass es keine gibt. Glücklicherweise war ich bisher nie ernsthaft krank und hatte noch nicht so häufig mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen. Mir reicht es schon, wenn ich irgendwelche Tropfen abzählen muss, und im Augenblick bin ich ganz dankbar, dass ich außer ab und an Ibuprofen nichts einnehmen muss. Trotzdem freue ich mich natürlich über Lösungsideen in den Kommentaren, falls sich jemand berufen fühlt, und falls nicht, bleibt mir an dieser Stelle nur noch, euch vorab schon mal viel Gesundheit für das neue Jahr und leicht verspätet noch schöne Festtage zu wünschen.

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