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Wer mich kennt, weiß, dass ich häufig mit meinen technischen Geräten plaudere, sie lobe, aber auch mal lauthals beschimpfe. Und wenn sie mir antworten, ist mir das am liebsten. Seit einigen Monaten ist ein weiteres antwortendes Gerät hinzugekommen, der Geldautomat bei der Sparkasse. Und da dieser aus meiner Sicht tolle Schritt in Richtung Inklusion offenbar noch niemandem einen Artikel wert war, schreibe ich jetzt einen 🙂

Vorgeschichte

Vor vielen Jahren wurden die Automaten der Sparkasse Erlangen das erste Mal ausgetauscht – das heißt natürlich, das erste Mal, dass ich mich daran erinnere. Sie bekamen damals schöne erhabene Knöpfe rechts und links neben dem Bildschirm, die mit blindenschriftartigen Zeichen gekennzeichnet waren. Das Tastfeld unten war auch gut zu benutzen, und wenn man wusste, welches Zeichen für welche Funktion stand, hätte man den Automaten als blinder Mensch einigermaßen bedienen können. Dazu musste man allerdings genau wissen, welcher Schritt wann zu erledigen war, also Karte einlegen, kurz warten, Auszahlung drücken, kurz warten, PIN eingeben usw. Wenn es aber eine Störung gab oder man einen Fehler gemacht hatte, hatte man ein Problem. Das Ganze war eher suboptimal. Natürlich konnte man zum Schalter gehen und Geld abheben, aber klassischerweise fährt man am Sonntagmorgen in Urlaub und erinnert sich Samstagabend daran, dass man nicht genug Geld abgehoben hat 😉 Letztes Jahr wurden die Automaten erneut ausgetauscht. Ich weiß nicht sicher, ob alle Filialen in Erlangen die neuen Automaten bekommen haben, meine mich aber zu erinnern, dass jemand von der Sparkasse das mal erwähnt hat. Mein Blutdruck stieg deshalb an, weil ich eines Tages zum Automaten kam und der durch einen Automaten mit Touch Screen ersetzt worden war. Kann ja nicht sein, dachte ich, erst setzen sie Automaten mit Blindenschriftkennzeichnung ein und jetzt welche mit Touch Screen, die für uns völlig unzugänglich sind? Fragste doch mal nach! <h3>Der sprechende Geldautomat</h3> Die Mitarbeiter der Sparkasse waren mit meiner Anfrage zunächst leicht überfordert, so kam es mir vor, denn niemand wusste auf Anhieb zu sagen, was es mit den Automaten auf sich hatte. Ich bat daher um weitere Informationen und wurde auch wenige Tage später zurückgerufen. Eine Mitarbeiterin teilte mir mit, dass der Automat eine Kopfhörerbuchse besäße und dass sie vermute, dass er sprechen würde, wenn man den Kopfhörer einsteckt. Ausprobieren konnte sie es allerdings nicht, da sie keinen Kopfhörer zur Hand hatte. Natürlich wollte ich der Sache auf den Grund gehen und machte mich kurze Zeit später mit meinem Kopfhörer auf den Weg. Manche Sehenden finden das mit dem Kopfhörer nicht so optimal, aber mir macht es nichts aus, da ich immer einen dabei habe. Außerdem, mal ehrlich, wer möchte schon, dass alle Umstehenden mithören, wie viel Geld man gerade abgehoben hat?

Das Vorgehen

Die Kopfhörerbuchse befindet sich rechts neben dem Geldausgabeschlitz. Man sollte idealerweise einen Geldautomaten schon einmal ertastet haben, damit man sich leicht zurechtfindet. Vorne befindet sich die Tastatur zur PIN-Eingabe und dahinter der Geldausgabeschlitz. Darüber findet man einen Knopf, den man aber, soweit ich es probiert habe, nicht benötigt. Die Buchse ist etwas unglücklich designed, ist mein Eindruck. Der Stecker rutscht recht tief hinein, und die Buchse ist an einer Seite tiefer als an der anderen Seite. Das ist schwer zu beschreiben, aber wer einmal versucht, einen Kopfhörer mit geradem Stecker hineinzuschieben, wird wissen, was ich meine. Der Stecker lässt sich mit den Fingern nur noch schlecht greifen, und ihn wieder herauszubekommen, ist nicht so einfach. Ich behelfe mir immer mit einem Taschentuch, aber es gibt ja auch Kopfhörer mit geknicktem Stecker, die man wahrscheinlich besser wieder herausziehen kann. Kaum hat man den Kopfhörer eingesteckt, meldet sich eine Männerstimme, die einen instruiert. Die Sprachausgabe spricht recht langsam, aber das finde ich auch sehr gut. Somit wird gewährleistet, dass die meisten Leute sie verstehen. Manchmal stottert sie ein wenig, aber man gewöhnt sich daran, und nach ein paarmal abheben kennt man die Vorgänge auch schon besser. Man wird angewiesen, die Karte mit dem Chip nach oben in den Kartenschlitz zu schieben, der sich auf der rechten Seite befindet. Außerdem wird man darum gebeten, die folgenden Eingaben auf der Tastatur zu machen – Dank Touchscreen gibt es nur noch eine 🙂 Die weiteren Vorgänge werden von der Sprachausgabe gut erklärt. Die Eingabe erfolgt wie in einer Telefon-Warteschleife: Für Auszahlung drücken Sie die Taste Bla, für Kontostand die Taste blubb usw. Ich habe bisher nur Geld abgehoben, aber man kann auch einige andere Funktionen nutzen. Nachdem man auf Auszahlung gedrückt hat, wird man aufgefordert, die PIN einzugeben und zu bestätigen. Die Eingabe des Geldbetrags wird auch über die Tastatur vorgenommen. Es gibt also keine vorgefertigten Auswahlmöglichkeiten wie beim „normalen“ Abheben. Danach kommt die Wahl der Banknoten, und hier wird es kurios. Ich habe den Geldautomaten bislang zweimal getestet, und zweimal hatte ich Schwierigkeiten, die richtigen Scheine zu bekommen. Ich wurde gefragt, ob ich eine Auszahlung in wenigen oder in vielen Banknoten bevorzuge. Da ich keine Lust auf viele 5-Euro-Scheine hatte, gab ich wenige Noten an. Das Resultat waren zwei 100-Euro-Scheine. Glücklicherweise wollte ich ohnehin in Urlaub fahren, aber da ich aus einer Familie mit eher wenig Geld komme, war es mir peinlich, mit solchen Scheinen zu bezahlen. Na ja, was muss, das muss, und ein bisschen Dekadenz hat ja noch nie jemandem geschadet 🙂 Beim zweiten Mal teilte der Automat mir mit, dass 4 Auszahlungsmöglichkeiten angeboten werden, und ich sollte wieder zwischen wenigen und vielen Banknoten wählen. Da ich ja schon wusste, was mir mit wenigen Noten blüht, entschied ich mich für viele Banknoten. Leider geschah genau das, was ich befürchtet hatte, ich bekam unter anderem einen Stapel 5-Euro-Scheine. Neeeiiin! Es ist ein bisschen seltsam, dass ich nicht genauer auswählen kann, welche Auszahlungsart ich bevorzuge, ich meine, wenn der mir schon mitteilt, dass es 4 zur Auswahl gibt, warum sagt er dann nicht auch einfach zwei weitere Tasten an, mit denen ich die mittelvielen Banknoten auswählen kann?<

Fazit

Ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Teilhabe ist getan. Ich mag die neuen Geldautomaten jetzt schon. Sie scheinen recht zuverlässig zu funktionieren, die Sprachausgabe ist bis auf einige Stotterer gut verständlich und akzeptiert es auch, wenn man sich nicht alles anhört, sondern gleich die Taste drückt, die man benötigt. Die Anzahl der Banknoten bei der Auszahlung ist etwas unglücklich, aber ich bin mir auch noch nicht sicher, ob ich nicht einfach irgendetwas verkehrt gemacht oder nicht alles angehört habe. Weitere Tests werden folgen. Der Kopfhöreranschluss ist etwas schwierig zu handhaben, vor allem, wenn man den Kopfhörer wieder herausbekommen möchte, und ob es für alle nichtblinden Menschen nun unbedingt ein Touchscreen sein musste, darüber kann man sicher diskutieren. Nichtsdestoweniger eine gute Investition der Sparkasse. Danke dafür!

Mitdenken erwünscht

Ein weiterer Test am Geldautomaten vom 6. Februar hat erhellende Erkenntnisse ergeben. Mitdenken ist unbedingt erwünscht 🙂 Der Automat teilte mir auch heute mit, dass 4 Auszahlungsvarianten zur Auswahl stünden und ich die 5 für wenige und die 8 für viele Banknoten drücken solle. Ich wagte diesmal das Unmögliche und drückte die 6 … und juhu! Ich bekam diesmal nicht nur 100-Euro-Scheine, sondern auch ein paar kleinere. Nächstes Mal wage ich noch etwas viel Verrückteres und drücke die 7 😉

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