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Ich hasse es, alleine einkaufen gehen zu müssen, denn man muss sich gegen Drängler behaupten, verstehen, dass man gerade an der Reihe ist, sich nach Dingen erkundigen, die man lieber selbst einpacken möchte – und man hat mit Menschen zu tun 😉

Mal ehrlich, wer von euch hat sich jemals ernsthaft und ausführlich darüber Gedanken gemacht, wann er am besten zum Metzger oder Bäcker geht? Wann ist es dort besonders voll und wann besonders leer? Nun, bei meinem Metzger um die Ecke ist es recht einfach. Besonders leer ist es vormittags und nachmittags. Zur Mittagszeit sollte man nicht hingehen und auch nicht eine Stunde vor Ladenschluss oder gleich nach Öffnen des Ladens, denn da ist es immer recht voll, und das mag ich nicht.

Ich finde es schon immer recht verwirrend, wenn z. B. beim Bäcker die Leute überall herumstehen und ich keine Schlange erkennen kann. An einer Seite stehen sie ganz eng zusammen, dann ist da wieder viel Platz, bevor wieder eine Menschentraube ihr Unwesen treibt. Hinter dem Tresen bedienen zwei bis drei Verkäufer/innen, und wer da wann dran kommt, vermag ich nicht immer so klar zu sagen. „Entschuldigung, wo beginnt denn die Schlange?“, gehört zum typischen Reppertoire an Fragen, denn vordrängen möchte ich mich natürlich nicht. Ganz anders als so manche Leute, die sich wohl denken Blind und blöd, da husch ich schnell mal vorbei, die merkt’s schon nicht. Die merkt es doch! Aber sicher ist sie sich nicht. „Hallo Sie, haben Sie sich gerade vorgedrängelt?“ Falls es Leute gibt, die so etwas fragen, ziehe ich meinen Hut, mir wäre es jedenfalls zu peinlich, wenn ich jemanden zu Unrecht beschuldigen würde, aber das mit der Peinlichkeit ist eh ein Thema für sich.

Ich bin dann endlich dran, gemeinsam mit 3 anderen Leuten, die rechts und / oder links von mir stehen und von drei anderen Leuten bedient werden. Wenn man die Verkäufer noch nicht so gut kennt, ist es oft gar nicht so einfach zu entscheiden, ob man denn jetzt gerade wieder angesprochen wird oder nicht. Gerade beim Metzger weiß ich nicht immer, wie lange es dauert, bis die Verkäuferin mir zum Beispiel etwas zurecht geschnitten hat, und wenn es zwei Schneidemaschinen gibt, die gleichzeitig laufen, gibt es dafür auch keinen Anhaltspunkt. Wenn also der Verkäufer „Sonst noch einen Wunsch?“ sagt, bin ich dann gemeint oder nicht? Ich persönlich brauche immer eine ganze Weile, um mich an Stimmen zu gewöhnen. Deshalb klingen für mich die Leute erst mal „alle gleich“. Erst wenn ich öfter dort war und die Stimmen langsam kennen lerne, wird es ein bisschen leichter. Aber auch nur ein bisschen, denn wenn viel um mich herum gesprochen wird, bleibt es trotzdem schwierig.

Ich verstehe langsam, warum es manchen Metzgern oder Marktverkäufern wichtig ist, die Namen ihrer Kunden zu kennen. Zum ersten Mal bewusst wurde mir das, als ich in Sigmaringen meinen Lieblingsbioladen aufsuchte und hörte, wie der Verkäufer jemand mit Namen ansprach. Heute ist mir das bei meiner Metzgerin auch passiert, und das war wirklich wirklich angenehm, denn ich wusste immer, dass ich dran war, weil sie mich immer mit Namen angesprochen hat. Stärkt das die Kundenbindung? Ja, in meinem Fall definitiv.

Ich wüsste auch ehrlich gesagt nicht, wie man das Problem anders lösen sollte. Mich hat noch nie jemand mit „Hallo, Sie da, mit dem weißen Stock“ angesprochen, und ich glaube, ich fände es auch etwas komisch. Aber wie sollte der Verkäufer, der hinter dem Tresen steht, sonst klar machen, dass er gerade mich gemeint hat? Oder bin ich vielleicht einfach zu blöde, um es zu kapieren? Das könnte durchaus auch sein 🙂 Natürlich frage ich auch manchmal, ob ich denn gemeint war, und manchmal war ich es, manchmal auch nicht. Besonders in letzterem Fall komme ich mir dann immer ziemlich bescheuert vor, als ob ich gerade etwas furchtbar Dummes gemacht hätte.

Dass dem nicht so ist, weiß ich natürlich, aber wie das mit Peinlichkeitsgefühlen nun mal so ist, die verschwinden nicht sofort, nur weil der Verstand die Situation anders beurteilt. Da hilft nur Augen zu und durch und das immer wieder aufs Neue, und dann wird es mit der Zeit langsam weniger. Immerhin, irgendwann muss man ja auch mal hingehen und die Sachen kaufen, die man braucht, und besonders toll ist das, wenn man einen Mann fragen muss, wo denn die Tampons stehen, und ihm dann auch noch erklären muss, welche man denn gerne kaufen möchte. Als ob es weniger peinlich wäre, wenn man sich die Ware selbst heraussuchen könnte und sie dann demselben Mann an die Kasse brächte. Aber irgendwie erscheint es doch weniger peinlich, wenn man nicht darüber sprechen muss, eine Schlussfolgerung, die natürlich genauso absurd ist wie alles andere, was mit Peinlichkeiten zu tun hat, die sich beim Einkaufen so auftun können.

Ich höre schon die Leute sagen: „Aber du kannst doch online einkaufen.“ Stimmt, und ich kaufe gerne online ein. Aber ich bin auch geizig. Vielleicht kennt der eine oder die andere von euch noch das Spiel Mankomania. Das ist ein bisschen wie Monopoli, nur dass man gewonnen hat, wenn man sein Geld ausgegeben hat. Ich habe dieses Spiel fast immer verloren, weil ich mein Geld nicht ausgegeben habe, und das obwohl es nur Spielgeld war 🙂 Ich bezahle also keine Versandkosten, wenn es nicht unbedingt nötig ist, und frische Lebensmittel lasse ich mir auch nicht gern in einer Versandbox liefern. Ich vertraue keinem Trockeneis der Welt. Vieles andere könnte ich kaufen, tue es aber am Ende doch nicht, einfach weil die Sachen im Supermarkt deutlich günstiger sind. Wenn ich also die Wahl habe zwischen einem komfortablen Gefühl und mehr Ausgaben oder Geiz und Peinlichkeit, dann werde ich wohl auch in Zukunft definitiv Geiz und Peinlichkeit wählen.

Die Leute in Supermärkten sind meistens sehr hilfsbereit. Erst letztens habe ich mit einer Dame zusammen eine Zutatenliste gelesen, weil ich etwas für jemanden kaufen musste, der unter anderem keine Laktose verträgt. Die Verkäuferin konnte nicht alles entziffern, aber ich kenne Zutatenlisten inzwischen und habe also immer Vorschläge gemacht, was es vielleicht sein könnte. Auf diese Art kamen wir ganz gut voran. Mir ist es aber auch schon passiert, dass man mir im Supermarkt mangels Personal keine Hilfe anbieten konnte. Aufgefallen ist mir, dass ich öfter die Auszubildenden an die Seite gestellt bekomme, die sich nach meinem Gefühl auch mal freuen, so etwas machen zu können, aber manchmal sind die eben nicht da und auch sonst keiner. Und dann hat man schlicht und einfach Pech. Auch hier gilt es deshalb, sich zu überlegen, welche Zeit zum Einkaufen geeignet ist. Früh morgens, wenn noch nicht so viele Leute da sind, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass jemand Zeit hat, schnell auszuhelfen, das ist zumindest meine Erfahrung. Und wenn man trotz allem mal alleine da steht, kann man auch immer noch die Kunden ansprechen. Da steigt bei mir dann zwar wieder der Peinlichkeitsfaktor, aber hinterher denke ich mir eigentlich immer, dass das alles gar nicht so schlimm war und die Leute sehr freundlich waren. Also, auf ins Einkaufsgetümmel!

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