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Es ist immer wieder lustig, zu hören, welches Bild andere Menschen von der eigenen Behinderung haben. Mitunter sind aber auch Clichés dabei, die einem das Zusammenleben erschweren können.

„… aber Sie hören dafür doch besonders gut!“

Neeeiiin! Oh bitte, nicht wieder das! Natürlich mag es blinde Menschen geben, die sehr gut hören, und laut Wikipedia haben Wissenschaftler gefunden, dass überzufälig viele von uns ein absolutes Gehör haben, aber dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass vieles mehr mit Aufmerksamkeitslenkung zu tun hat als mit einem herausragenden Gehör. Ich selber habe mein Gehör auch einmal beim Hörgerätespezialisten testen lassen und erfahren, dass es absolut durchschnittlich ist.

Trotzdem bekommen wir natürlich gewisse Dinge mit, die andere nicht mitbekommen. Ich achte z. B. im Bus immer darauf, ob ich das Piepen höre, das anzeigt, dass jemand den Halteknopf betätigt hat. Das ist für mich wichtig, denn wenn jemand an meiner Haltestelle gedrückt hat, muss ich mich nicht auf die Suche nach einem Knopf machen. Dies ist für mich aber nicht mit Anstrengung verbunden, weil ich automatisch im Bus einen Teil meiner Aufmerksamkeit dafür abziehe.

Ein gegenteiliges Beispiel ist das Kennenlernen mehrerer Personen. Wenn ich z. B. in einen neuen Kurs in meiner Ausbildung komme, höre ich die Stimmen der Leute und denke, die klingen alle gleich. Wenn ich auch einen Namen dazu höre, kann ich ihn nicht sofort zuordnen. Das dauert eine ganze Weile, je nachdem, wie oft man sich trifft sogar mehrere Monate, bis ich die Leute zuverlässig auseinander halten kann. Wo ist da bitte mein geniales Gehör abgeblieben? 😉

„Viele Blinde sind unhöflich“

Das kann ich nicht abschließend beurteilen, aber zumindest kann ich aus meiner Erfahrung berichten. Wer meine Blogeinträge kennt, wird wissen, was ich meine. Oftmals passiert so etwas im Zusammenhang mit Hilfeangeboten, die man zunächst höflich ablehnt. Oder mit solchen, die einem aufgezwungen werden. Wenn mich jemand anpackt und irgendwo hinzerrt, wo ich nicht hin möchte, werde ich zumindest energisch, denn ich will ja nicht die Orientierung verlieren. Wenn ich jemanden höflich bitte, mich loszulassen, und derjenige der Bitte nicht nachkommt, werde ich unhöflich. Und wenn ich keine Hilfe brauche und das Angebot daher dankend ablehne, ist es am Anbieter, zu entscheiden, ob ich nun unhöflich war oder nicht. Manche scheinen eine Ablehnung als persönliche Kränkung aufzunehmen. An dieser Stelle muss ich sagen, das tut mir Leid für diejenigen, aber Behinderte stehen eben nicht immer für die guten Taten anderer Menschen zur Verfügung 😉

„Mit einem Blinden muss ich lauter sprechen.“

Wieso eigentlich? Diese Idee steht in völligem Gegensatz zu der obigen, dass wir ach so gut hören könnten. Trotzdem habe ich es gerade in meiner inklusiven Schullaufbahn häufig erlebt, dass Lehrer mich fragten, ob sie denn lauter sprechen müssten. Nein, müssen sie nicht, denn ich bin nicht schwerhörig. Sie sollten natürlich in zusammenhängenden Sätzen sprechen, aber das sollten sie auch nicht behinderten Schülern gegenüber tun. Wofür steht also das lauter sprechen? Geht es um das Hören oder eher ums Verstehen? Mein Eindruck war, dass es ums Verstehen ging, aber in diesem Fall muss man sagen, dass lauter sprechen nicht dabei hilft, wenn die Erklärung inhaltlich nichts taugt 🙂

„Sie sind doch sicher sehr ordentlich!“

Puuuh, gut dass niemand mein Zimmer sieht! Denn von Ordnung, wie die Leute sich Ordnung vorstellen, ist das nämlich ziemlich weit weg. Meine Schuhe stehen nicht geputzt in Reih und Glied, meine Klamotten sind nicht alle in derselben Reihenfolge aufgehängt. Auch auf meinem Schreibtisch herrscht keine Ordnung. Stets liegt immer irgendwo etwas herum, seien es Papiere, die noch eingescannt werden müssen, oder Klamotten, die ich schon mal an hatte und deshalb nicht mehr in den Schrank legen möchte.

Ich würde mich in den breiten Durchschnitt der Ordnung und Unordnung einreihen. Und ja, ich finde meine Sachen trotzdem meistens wieder. Nicht immer, zugegeben, aber meistens. Das Prinzip ist, in der Unordnung eine gewisse innere Ordnung zu behalten oder aber nur die wirklich wichtigen Sachen immer an derselben Stelle liegen zu lassen. Davon abgesehen finde ich Ordnung irgendwie steril, aber vielleicht sage ich mir das auch nur, weil ich einfach nicht gerne aufräume und das irgendwie rechtfertigen muss 😉

Was gibt es noch?

Mir fallen spontan keine weiteren Clichés mehr ein, aber ich bin mir sicher, dass es welche gibt. Falls euch also etwas einfällt, verewigt euch in meinen Kommentaren 🙂 Gerne dürft ihr auch über Clichés berichten, die Blinde über sehende haben, denn auch das gibt es natürlich.

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