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Mein letzter Blogeintrag ist schon eine ganze Weile her, da ich privat einiges um die Ohren hatte. Da ich aber nichts einreißen lassen möchte, gibt es heute mal eine kurze Anekdote aus meinem Alltag. Thema: Bei Rot über die Ampel.

Das Mobilitätstraining ist für blinde Menschen unabdingbar. Hier lernen sie, wie sie sich sicher im Straßenverkehr bewegen können, woran sie sich orientieren können, woher sie wissen, wann sie über die Straße gehen dürfen und vieles mehr. Außerdem lernen sie, was sie auf keinen Fall tun sollten. Hierzu zählt beispielsweise, nicht über die Straße zu gehen, wenn ein Auto anhält und hupt, als ob es einem einen freien Übergang signalisieren wollte. Eine andere Regel lautet, nicht über die Straße zu gehen, wenn andere Menschen gehen oder mit dem Rad losfahren. Hintergrund ist natürlich, dass es einige Leute gibt, die sich nicht um Ampelschaltungen kümmern und bei Rot die Fahrbahn überqueren.

Aber sind wir mal ehrlich: Wissen und Tun sind oft zwei Paar Stiefel. Wenn ich an einer Ampel stehe, und mehrere Leute gehen oder fahren los, dann gehe ich auch los. Wir Menschen sind soziale Tiere, und wir tun, was andere tun, und wenn mehrere dasselbe tun, wird es schon gut sein. Das ist das Prinzip der sozialen Bewährtheit, das übrigens wissenschaftlich gut erforscht ist. Manchmal bin ich aber auch einfach müde und unkonzentriert.

Montag war so ein Tag. Ich war in Fürth unterwegs in Richtung Bahnhof. Die Ampel, die ich dort überqueren muss, ist eigentlich gut alleine zu schaffen. Ich war aber nicht mehr so richtig bei der Sache. Und als die Fahrradfahrerin losfuhr, bemerkte ich nicht, dass der Verkehrsstrom parallel zu mir noch nicht angerollt war. Ich setzte einfach meine Füße auf die Fahrbahn und ging los.

Ich hatte kaum zwei Schritte getan, da rief eine Stimme von gegenüber: „Halt! Es ist rot!“ Ich war mir relativ sicher, dass es die Fahrradfahrerin von vorhin war, ohne genau sagen zu können, warum. Jedenfalls ging ich sofort wieder zurück zum Gehsteig. „Schön, dass Sie bei Rot über die Straße fahren!“ konnte ich mir irgendwie nicht verkneifen. Resultat war dann, dass die Dame, die es offenbar recht eilig hatte, stehen blieb, um mir zu sagen, wann es grün wird. Das hat übrigens noch einige Sekunden gedauert. Wär sie doch einfach gleich stehen geblieben und hätte mit mir gewartet 🙂

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