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Operation erfolgreich, Patient tot! Nun ja, nicht ganz, aber ich muss zugeben, dass sich in den letzten 3 Monaten doch einiges bei mir getan hat und ich daher keine zeit und auch keine Lust hatte, irgendwas hier zu schreiben. Heute zum Jahresende dann aber doch noch ein paar kleine Geschichtchen, positive und negative.

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen – Inklusion im Integrationsamt

Am 17. Dezember wurde mein Folgebescheid für meine Arbeitsassistenz in meiner Psychotherapieausbildung ausgestellt. Er wird eingeleitet mit den Worten: „Das Zentrum Bayern Familie und Soziales erlässt auf Ihren Antrag vom 07.11.2014 folgenden Bescheid…“
Es ist vielleicht eine paradoxe Reaktion, aber ich musste erst einmal laut lachen. Die Überprüfung meiner Unterlagen und die Neudefinition meines Assistenzbedarfs hat nun ein Jahr und 10 Tage gedauert. Das ist für mich neuer Rekord! Wer schafft mehr?
Ehrlicherweise sollte ich aber auch erwähnen, dass es nicht nur am Integrationsamt lag. Ich habe es auch hin und wieder verbummelt, Unterlagen einzureichen. Außerdem habe ich meine Sachbearbeiterin inzwischen auch persönlich kennen gelernt und mehrfach mit ihr telefoniert, was doch einiges leichter macht. Da ich außerdem in diesem Jahr geplant hatte, meinen Arbeitsort von der Institutsambulanz in Fürth in eine Kooperationspraxis nach Erlangen zu verlegen, war das auch nicht so schlimm. Ich habe einige Monate recht wenig gearbeitet und in Erlangen dann wieder neue Patienten aufgenommen. Ich bin mit dem Ergebnis insgesamt also einigermaßen versöhnt.

Kurze Wege machen glücklich

Mit der Entscheidung, nach Erlangen in die Praxis zu gehen, bin ich absolut zufrieden und würde es auch nie wieder anders machen. Es ist klein, persönlich und gemütlich, und das mag ich. Außerdem ist es quasi um die Ecke, 8 Minuten Fußmarsch, um genau zu sein. Ich glaube, es gibt Studien, die belegen, dass Menschen glücklicher sind, wenn sie kurze Berufswege haben. Ich bin mir nicht mehr sicher, wie stichhaltig die Studien sind, aber auf mich trifft das definitiv zu. Ich stelle immer wieder fest, wie viel Energie mich die Zugfahrt nach Fürth gekostet hat, obwohl es gar nicht so weit weg ist, aber ich bin da vielleicht auch besonders gepolt. Je weniger Aufmerksamkeit ich für meine Wege brauche, desto besser. Noch dazu mag ich es nicht, in Menschenmengen zu stehen, v. a. nicht im Sommer, wenn die klimatisierte Luft im Zug so ekelhaft riecht. Und ich mag es auch nicht, von Leuten mittleren bis höheren Alters mit Alkoholfahne darauf angesprochen zu werden, was für ein schreckliches Leben ich doch haben muss etc. Das habe ich zwar auf meinem Fußmarsch auch manchmal, aber nicht so oft, und da kann man ja auch immer mal sagen, dass man es eilig hat, wenn jemand besonders aufdringlich ist.

Rund ums Geld

Was gibt es noch zu berichten? Ach ja! Die neuen 20 Euro Scheine sind da. Für alle, denen es noch nicht aufgefallen ist: Sie haben auch geriffelte Linien an den kurzen Seiten. Analog zum 10 Euro Schein hat der 20 Euro Schein jetzt aber zwei Unterbrechungen in der geriffelten Linie. Lange genug hat es gedauert, aber es ist dafür logisch durchdacht und meistens leicht zu erfühlen. Manche Scheine sind natürlich so zerknittert, dass sogar die Rillen nicht mehr spürbar sind, aber da muss dem Schein schon echt viel angetan worden sein, dass das so ist 🙂 Insgesamt finde ich diese Lösung auf jeden Fall recht gut.

Ich habe nun auch meinen Steuerbescheid in Punktschrift drucken lassen. Was der Mann aus der Blindengeldstelle einmal zu mir sagte, dass es 3 Monate dauert … tja, was soll ich sagen, es stimmt fast. Bei mir hat es um die 8 Wochen gedauert, bis der Bescheid endlich ankam. Das ist schon ziemlich verrückt, aber da die Frist laut Auskunft des Finanzbeamten erst gilt, wenn ich den Bescheid lesbar erhalten habe, mache ich mir darum eigentlich keine Sorgen mehr. Außerdem hängt es, soweit ich weiß, meist daran, dass der Überträger es nicht schneller schafft. Es gibt in Deutschland ja nicht an jeder Ecke Leute, die Sachen in Blindenschrift drucken können, und die Auftragslisten sind oft lang. Das Finanzamt kann also nichts dafür, und ob ich meinen Bescheid nun zwei Monate früher oder später erhalte, ist mir ehrlich gesagt egal. Ich mache meine Steuererklärung ja meist auch nicht fristgerecht 🙂

Für den Steuerbescheid muss man übrigens einwilligen, dass die Daten an das Übertragungszentrum weitergegeben werden. Man muss sozusagen eine Schweigepflichtsentbindung unterschreiben 😉 Das finde ich aber eigentlich auch in Ordnung, immerhin verrät man dem Überträger des Bescheides ja ziemlich persönliche Daten über die eigene Finanzlage.
Mit der Umsetzung war ich allerdings nicht so zufrieden. Ich bin da irgendwie nicht so richtig durchgestiegen, da es hieß, dass jede Spalte der Tabelle mit Strichpunkt von der nächsten getrennt ist und dass es insgesamt 3 Spalten sind. Es wurde aber nicht immer nach 3 Spalten eine neue Zeile begonnen, sondern manchmal standen da auch zwei oder vier Zahlen mit Strichpunkt getrennt, und ich weiß nicht genau, ob das Sinn und Zweck der Sache ist. Kann ja nicht sein, dass ich beim Lesen auch noch zählen muss. Aber vielleicht habe ich es ja nur nicht verstanden. Bei Steuerbescheiden kann so etwas ja durchaus mal vorkommen 🙂

Augen auf beim Lebensmittelkauf

Hab ich, ganz ehrlich, ich hab meine Augen gaaanz weit offen! Aber ich seh es trotzdem nicht! Verdammt! Dummerweise habe ich mich nun endlich mal zum Arzt begeben und herausgefunden, dass ich ganz viele Sachen nicht vertrage. Ich halte mich ja nie wirklich für krank, es sei denn, ich kann nicht mehr aufstehen, und das bisschen Übelkeit und die nächtlichen Panikattacken – aaach, das ist ja nix, ist alles super!
Erst mal bin ich froh, dass es nicht psychosomatisch ist. Allerdings habe ich ja schon mal erwähnt, dass es nicht so lustig ist, wenn man als blinder Mensch Zutatenlisten lesen muss. Das kann man nämlich nicht, obwohl man die Augen wie gesagt gaaaanz weit offen …
Na gut, lassen wir das. Ich gehe also jetzt immer mit einer Person meines Vertrauens einkaufen. Mit der Zeit habe ich herausgefunden, welche Produkte ich gefahrlos einkaufen kann. Das macht einiges einfacher. Und ich bin zum absoluten Internet-Foodshopper geworden. Glücklicherweise gibt es inzwischen sehr viele Online-Shops, die die Zutatenlisten online haben, z. B. beim DM, AlNatura, Netto Online, ja sogar bei Amazon findet man die Zutatenlisten. Leider übrigens nicht beim Rewe, zumindest nicht barrierefrei. Kann ja sein, dass irgendwo eine Grafik sitzt, die ich nicht lesen kann. Ich finde es aber sehr schade, weil ich den Online Lieferservice schon immer mal ausprobieren wollte. Allerdings ist es dann doch etwas lästig, immer die Sachen googeln zu müssen – und bei Rewe Eigenmarken findet man das ja z. B. dann auch nirgends außer im Rewe selbst.
Da ich momentan auch keine Sonnenblumenkerne essen soll einschließlich Öl, Lecithin usw., muss ich mir aber jetzt auch viele Sachen selbst machen. Ihr glaubt gar nicht, wo überal Sonnenblumenöl drin ist, v. a. in Produkten, in denen es gar nicht drin sein sollte. Oder warum versetzt man Marmeladen mit Sonnenblumenöl? Ich mache ja auch selber Marmelade, nicht oft, aber hin und wieder, und da gehört es definitiv nicht rein. Gut, dass ich jetzt wegen Stellenwechsel, 3 Wochen Urlaub und Überstunden fast 4 Wochen zu Hause war. Glutenfreies Backen ist nämlich auch nicht so einfach und ich habe einige Zeit in der Küche verbracht 🙂 Aber dazu vielleicht ein andermal mehr.

Ausblick

Was ist für nächstes Jahr geplant? Natürlich mehr hier im Blog aktiv zu sein. Aber das habe ich letztes Jahr ja auch schon versucht und bin daran gescheitert. Wenn man wirklich sinnvolle Vorsätze planen möchte, sollte man sich sogenannte SMART Ziele setzen. S = spezifisch, M = messbar, A = fällt mir nicht mehr ein 🙂 , R = realistisch / relevant und T = terminiert. Wenn ich also sage, dass ich aktiver sein möchte, ist das kein Ziel, das ich umsetzen kann. Ich habe mir daher vorgenommen, jeden Sonntag einen Blogbeitrag zu posten. Das ist relativ spezifisch, messbar, halbwegs realistisch und definitiv relevant und auch terminiert. Und falls hier noch ein Psychologe oder sonstjemand mitliest, der das SMART-Konzept kennt, würde ich mich freuen, wenn er oder sie mir sagen könnte, wofür das A steht. Es fällt mir partout nicht mehr ein!
Da ich wahrscheinlich nicht jede Woche etwas Neues zu berichten haben werde, habe ich mir vorgenommen, einige allgemeine Dinge zu schreiben. Es wird eine Kategorie „Häufig gestellte Fragen“ geben, denn bestimmte Dinge werde ich wirklich von fast jedem gefragt. Eine andere Kategorie, die ich schon länger plane, ist freizeitbeschäftigungen. Oft ist es nämlich so, dass Leute ganz verwundert sind, wenn ich erzähle, dass ich früher z. B. Alpin Ski gefahren bin und seit einem Jahr Reitunterricht nehme. Die meisten Menschen können sich offenbar nicht wirklich vorstellen, dass das geht. Deshalb werde ich davon berichten. Ich probiere ja auch gern immer mal wieder etwas Neues aus. Hundeschlitten fahren steht z. B. auf meiner Liste. Ob ich das schaffe, weiß ich noch nicht. Es scheint nicht so einfach zu sein, aber ich werde berichten!
Und auch über meinen Job möchte ich mehr berichten. Ich habe jetzt 15 Monate bei Access Integrationsbegleitung im Bereich Inklusion gearbeitet. Es ist ein Job, der Spaß macht, aber auch viel Frustrationstoleranz erfordert. Ab Januar bin ich in Erlangen in der Stadt und beackere dort mit einem Kollegen dasselbe Thema. Es ist spannend und schwierig zugleich. Überzeuge mal einen Sturkopf davon, dass das nötig ist, v. a. auch davon, dass man auch etwas dafür tun muss und nicht immer nur nett davon reden. Das heißt natürlich nicht im Umkehrschluss, dass alle nur davon reden. Es gibt jede Menge toller engagierter Menschen, aber eben auch Schwätzer. Davon werdet ihr nächstes Jahr hoffentlich mehr hören, also hoffentlich nicht so viel von den Schwätzern, sondern mehr von den Engagierten 🙂

Einstweilen wünsche ich euch allen ein tolles neues Jahr, auf dass es besser werden möge als das aktuelle. Mein aktuelles Jahr war eigentlich im Rückblick ganz gut, aber Raum nach oben gibt es doch immer, oder? Bleibt vor allem gesund und genießt das Leben, egal wie ätzend es auch manchmal ist. Ihr habt nämlich nur eins. Guten Rutsch, rutscht gut rein, aber rutscht bitte nicht aus! In diesem Sinne bis nächstes Jahr (das wollte ich schon immer mal schreiben!) 🙂

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