Schlagwörter

, ,

Zugegeben, heute ist nicht Sonntag, aber hey, ich habe meine erste Arbeitswoche überlebt, und so manche neuen Erkenntnisse gesammelt, von denen ich erzählen möchte, bevor sie mir wieder abhanden kommen.

Wer mich besser kennt, weiß, dass es in Erlangen in der Stadt eine neue Stelle für den Bereich Inklusion gibt und dass ich mich letztes Jahr darauf beworben habe. Wer mich noch etwas besser kennt, weiß auch, dass mir das nicht so leicht gefallen ist und ich zwischendurch u. a. auch Angst vor meiner eigenen Courage bekommen habe. Immerhin habe ich ein nettes Team verlassen und eine Firma, in der ich mich sozusagen gerade erst eingelebt hatte. Ich brauche ja immer etwas länger, bis ich mit anderen Menschen warm werde und mich mit den Beziehungen, die ich zu ihnen habe, sicher fühle. Ich mag keine Veränderungen, und mir graut vor Smalltalk. Andererseits bin ich wirklich überzeugt davon, dass die Inklusion in der Stadt durch mich vorankommen wird 😀 Aber im Ernst: Es ist eine gute Sache, ich hoffe auf kürzere Wege und schnellere Änderungen, auch wenn ich natürlich diese Woche bereits wieder mit der deutschen Bürokratie Bekanntschaft gemacht habe.

Als städtische Mitarbeiterin muss ich jetzt auch auf das Image meines Arbeitgebers achten. Trotzdem denke ich, dass Ratchaos statt Rathaus auch mal ok ist. Ich meine es ja nicht böse, und die deutsche Bürokratie hat eben alles erobert und macht auch vor Inklusion nicht halt. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, dass mein Arbeitsplatz nach einer Woche immer noch nicht läuft, weil noch jemand jemanden beauftragen muss, die Installation meiner Hilfssoftware durchzuführen, obwohl ich das gut und gerne auch selbst erledigen könnte, im Schlaf quasi. Und das Schlimmste, was man mir antun kann, ist, mich sozusagen zum Nichtstun zu verdammen.

Aber so leicht lasse ich mich ja nicht zu irgendetwas verdammen. Deshalb habe ich mir bereits Beschäftigung gesucht, gehe über meinen iPhone Hotspot mit meinem MacBook ins Internet, um Inklusionsnews zu checken, und fuchse mich wieder in das Thema hinein. Nach 4 Wochen Urlaub ist das eigentlich nicht schlecht. Auch habe ich schon einige Dokumente bekommen, die ich mir anschauen soll, und Infos zum Weiterverarbeiten. Es läuft also langsam an. Unsere Bürgermeisterin, Frau Dr. Preuß, hat mich gebeten, etwas Nachsicht zu haben, und sie versteht es wirklich, ein frustriertes Gemüt zu beschwichtigen. Außerdem fiel mir heute wieder das Zitat meines allerersten direkten Vorgesetzten ein: „Lernen Sie erst einmal Ihre Mitarbeiter kennen“.

Das ist überhaupt ein gutes Stichwort. Ich habe nämlich noch einen Kollegen, der mit mir zusammen den Bereich Inklusion betreut. Dazu gibt es noch andere Kollegen, die themenverwandte Bereiche betreuen, z. B. Integration, Gleichstellung etc., und es gibt auch eine Chefin, die die Abteilung führt. Alle habe ich inzwischen kennen gelernt. Auseinanderhalten kann ich sie noch nicht so gut, aber da sie sich oft mit Namen anreden, dürfte das ziemlich schnell gehen.

Ich hatte mich in einem meiner letzten Artikel über Smalltalksünden beklagt. Diese Woche durfte ich aber feststellen, dass es sehr seltsam sein kann, wenn jemand sich genauso verhält, wie ich es mir im Artikel gewünscht hatte, nämlich zurückhaltend und höflich. Meine Kollegen gehören tatsächlich zu den wenigen Menschen, die nicht gleich anfangen mit „Seit wann sind Sie blind und wie ist das überhaupt und muss das nicht schrecklich sein“? 🙂 Deshalb habe ich dann angefangen, das Zepter in die Hand zu nehmen und mich ein bisschen im Smalltalken zu üben. In den folgenden Tagen hat sich das dann auch alles gut angelassen, und inzwischen wurde mir auch die eine oder andere Frage aus dem Bereich „häufig gestellte Fragen“ wirklich gestellt. Ich habe gemerkt, dass diese Fragen, wie lästig sie auch manchmal sind, auch eine Brücke sind, die die anderen einem bauen und auf der man sich wirklich sehr sicher fortbewegen kann. Da ich selber ja nicht gut darin bin, Brücken zu bauen, fand ich das anfangs ziemlich irritierend. Es ist aber auch eine echte Bereicherung für mich, auf einem anderen Weg als dem der persönlichen Behinderung ins Gespräch zu kommen. Insofern habe ich das Verhalten meiner Kollegen als sehr wertschätzend wahrgenommen.

Mein Fazit für diese Woche: Inklusion besteht immer aus mindestens zwei Bereichen. Einmal gibt es die Rahmenbedingungen, die nicht immer so leicht herzustellen sind. Man kann nicht alle Regularien umwerfen, nur weil da jemand mit besonderen Bedarfen anfängt. Da braucht es dann wohl wirklich etwas Geduld, eine Sache, die mir nicht gerade in die Wiege gelegt wurde. Das gilt aber auch allgemein für Arbeitgeber. Inklusion klappt noch nicht von jetzt auf gleich, davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Warum nicht ein bisschen entschleunigen?

Der andere Bereich sind die zwischenmenschlichen Beziehungen. In einem Umfeld zu arbeiten, in dem man sich nicht wohl fühlt, geht in der Regel nicht gut. Bei Inklusion ist es, glaube ich, besonders wichtig, sich als Mensch wahrgenommen zu fühlen und nicht als z. B. „der Behinderte“, was ja nicht immer klappt. Neben der nötigen Offenheit gehört dazu wohl auch ein wenig Feingefühl und die Fähigkeit, die eigene vielleicht vorhandene Neugier etwas zu bändigen und zurückzustellen.

Advertisements