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Heute erzähle ich euch zwei Anekdoten aus der Rubrik skurril. Wer genau hinschaut, wird Verbindungen zu früheren Artikeln entdecken und sich vielleicht auch die eine oder andere neue Frage stellen.

„Das muss schlimm sein!“

Heute hatte ich keine Lust auf das übliche Gespräch. Aber selbst schuld, was setze ich mich auch in den Bus? Immerhin gehe ich fast immer zu Fuß zur Arbeit. Kaum sitze ich drin, als der Busfahrer, ein nicht gut deutsch sprechender Mann mit Migrationshintergrund, mich fragt: „Ist das nicht schlimm, dass Sie nicht sehen können?“
„Wie kommen Sie denn darauf?“, frage ich zurück. Das wollte ich schon länger endlich mal einführen. Allerdings hätte ich mir dafür wohl erst mal eine deutsche Person aussuchen sollen. Der Fahrer verstand die Frage nämlich nicht, denn er vergewisserte sich, ob ich nun sehen könne oder nicht. Ich antwortete, dass ich es nicht könne, dass ich es aber meist nicht schlimm fände.

Bis hierhin war noch alles gut. Dann aber wurde mir mitgeteilt, dass Jesus zurückkommen und mich heilen werde. Er habe das schon vor 2000 Jahren getan. Uff, ok, Planänderung 😉 Nicht, dass ich nicht an Gott glauben würde, das tue ich, aber Jesus als Wunderheiler hatte ich wirklich schon länger nicht mehr. Mir war irgendwie nach Gemeinheiten, ich weiß nicht genau, warum. Auf jeden Fall fragte ich zurück: „Was ist, wenn ich das gar nicht will, dass er mich heilt?“
Ich glaube, das führte zu einer gewissen Irritation bei meinem Gegenüber, denn zunächst sagte er einfach, dass ich das bestimmt möchte. Von wegen ich weiß es nur noch nicht. Das blieb zwar ungesagt, aber so hörte es sich an. Ich hätte lachen können. Ich antwortete aber nur, dass ich nicht sicher sei, und dachte komischerweise spontan an die Nachrichten über den Anschlag in Paris und andere Nachrichten mit Bildern, auf die ich gut verzichten kann. Das Gespräch setzte sich damit fort, dass mein Gegenüber meinte, wenn Jesus mich heilen würde, könnte ich nichts dagegen tun, und es würde mir ja nicht schaden. Dann war ich an der Haltestelle angekommen und stieg wieder aus. Ich dachte, dass Jesus bestimmt meinen Willen respektieren würde und ging zur Arbeit.

„Kann ich mir mal Ihr Bad ansehen?“

So etwas hatte ich bisher wirklich noch nie. Ich war gerade eine halbe Stunde zu Hause, als es an meiner Tür klingelte. Vor mir stand eine Frau, die ich nicht kannte.
„Sie wohnen hier?“, fragte sie. Ich bejahte. „Könnte ich mir mal Ihr Bad anschauen?“, fragte sie weiter. Bei mir schrillten gleich alle Alarmglocken. Das erste, was mir einfiel, waren die Leute, die sich unter irgendeinem Vorwand Zutritt zur Wohnung verschaffen und dann entweder einen Mord begehen oder was mitnehmen. Vielleicht habe ich zu viel Criminal Minds angeschaut, aber mir kam es suspekt vor.
„Wer sind Sie denn überhaupt?“, fragte ich statt einer Antwort, „ich lasse doch nicht einfach so fremde in meine Wohnung.“
„Ja, das müssen Sie auch nicht, aber wissen Sie, ich interessiere mich für die Bauweise. Das Haus hier wurde ja neu gebaut. Und was haben Sie da für einen Boden, ist das Laminat oder Parkett? Darf ich mal klopfen?“ Sie ging in die Hocke und klopfte den Boden ab, noch bevor ich etwas sagen konnte.
„Ja, von mir aus“, sagte ich. Sie war eh schon dabei, und was sollte schon passieren?
„Und Ihr Bad, kann ich es mir nicht doch mal anschauen?“, wiederholte sie ihre Bitte.
„Nein“, sagte ich, „oder sind Sie Architektin oder so etwas?“
Sie verneinte und wir verabschiedeten uns. Ich schloss die Tür und war erst mal froh, dass sie weg war. Sie wirkte auf mich zwar nicht gefährlich, aber ihre Bitte erschien mir doch etwas eigenartig, v. a. da sie sich auf meine Frage hin auch nicht vorstellte. Andererseits hätte mir das auch nicht viel genützt. Dann hätte ich eben irgendeinen Namen gehört, den sie sich auch hätte ausdenken können. Danach habe ich mich gefragt, was ich wohl tun würde, wenn wirklich einer kommt und sich als Handwerker oder Prüfer oder so etwas ausgibt. Einen Ausweis kann er mir zwar zeigen, aber ich kann ihn nicht sehen. Andererseits könnte ich die Echtheit wohl auch nicht prüfen, wenn ich nicht blind wäre. Aber wahrscheinlich würde ich die Person einfach nicht hineinlassen, wenn es nicht vorher mit meinen Vermietern abgesprochen wäre. Eine gewisse Sicherheit muss ich haben, das steht fest.

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