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Man sollte denken, dass die Sache mit der Begrüßung einfach ist. Ein kurzes Hallo oder guten Tag, einmal die Hand geschüttelt und erledigt. Aber weit gefehlt, denn gerade bei der Begrüßung kommt es häufig zu seltsamen Situationen und unangenehmen Peinlichkeiten.

Es hört sich doch erst mal ganz leicht an, und wir haben ja alle eine halbwegs gute Kinderstube genossen. Wenn man jemanden trifft, reicht man ihm die Hand, schüttelt sie kurz und sagt hallo oder gguten Tag. Das ist nicht besonders schwierig, sollte man meinen. Trotzdem kommt es gerade beim Händeschütteln zwischen mir und meinen sehenden Mitmenschen häufig zu etwas peinlichen Situationen. Warum? Ganz einfach. Weil man sich eben nicht immer die Hand reicht. Über das Wieso und Warum lässt sich lange diskutieren, und ich verzichte an dieser Stelle darauf. Statt dessen erzähle ich euch etwas über die typischen Fettnäpfchen, in die man bei der Begrüßung tritt.

Erste Situation: Ich begrüße jemanden und strecke ihm die Hand hin, aber die Person reicht mir ihre Hand nicht, aus welchem Grund auch immer. Eine ziemlich verrückte Situation erlebte ich bei meinem Vorstellungsgespräch bei Access. Jeder, der schon einmal ein solches Gespräch geführt hat, weiß, wie es einem gehen kann. Meist ist man etwas nervös, weil man den Job möchte und versucht alles richtig zu machen. Ich kam also ins Gesprächszimmer und streckte meine Hand aus, um meinen hoffentlich zukünftigen Chef angemessen zu begrüßen. Leider bekam ich hierauf in den ersten Sekunden keine Resonanz, sodass ich erst mal wie ein ziemlicher Depp da stand. Die Zeit kam mir ewig vor, obwohl es wahrscheinlich nur ein paar Sekunden waren. Was ich nämlich damals nicht wusste (und natürlich nicht sehen konnte), war, dass mein zukünftiger Chef aufgrund seiner Behinderung mir nicht die Hand schütteln konnte. Ich wusste damals aber noch nicht, warum dem so war. Mir wurde dann vorgeschlagen, ich möge ihm zur Begrüßung an die Schulter fassen, und aus irgendeinem Grund dachte ich damals, dass er vielleicht keine Arme habe. Das Missverständnis wurde übrigens erst bei meinem zweiten Vorstellungsgespräch bei Access aufgeklärt, und es lag nicht an fehlenden Armen. 🙂 Ich weiß noch, dass ich damals dachte: Na toll, jetzt hab ich mich zum Affen gemacht. Den Job kann ich dann wohl knicken. Und dass ich am liebsten im Boden versinken wollte.

Natürlich sind solche Situationen nicht an der Tagesordnung, jedenfalls keine, in denen man so blank und unwissend da steht. Aber dass ich die Hand hinhalte und keine Erwiderung bekomme, kommt durchaus hin und wieder vor. Woran das liegt, weiß ich nicht genau. Ich vermute, dass es Umstände sind, die in der Situation begründet liegen, z. B. weil sehr viele Leute kommen. An einer Tagung würde ich z. B. nicht der Person die Hand geben, bei der ich meinen Namen eintragen lasse, weil sich noch 200 weitere Leute anmelden wollen.

Es gibt aber auch die gegenteilige Situation, dass ich jemandem die Hand hinhalte, derjenige mich aber umarmen will. Für mich ist das dann immer besonders peinlich, weil ich das Gefühl bekomme, dass ich etwas verkehrt gemacht oder irgendwelche kommunikativen Signale nicht verstanden habe. Wahrscheinlich hat es aber auch damit zu tun, dass ich einfach nicht gerne von Leuten umarmt werde, die ich nicht schon eine Weile kenne. Glücklicherweise kommt diese Situation aber sehr selten vor, weil die meisten, die mich umarmen wollen, dann schon wissen, wie ich zum Thema stehe, und vorher fragen. Klingt vielleicht ein bisschen spießig, aber ich persönlich fühle mich damit sehr wohl.

Eine dritte Situation entsteht dann, wenn ich der Meinung bin, dass ein Händeschütteln gerade nicht nötig oder sinnvoll ist, aber die andere Person versucht, mir die Hand zu schütteln. Dann passiert es, dass die Person einfach versucht, eine meiner Hände zu erwischen. Da ich meinen Stock normalerweise in der rechten halte, ist es meist die linke Hand. Oder jemand, der mich begleitet, teilt mir mit, dass Person x mir gerade die Hand schütteln wollte. Hilfe, Boden, tu dich auf?

Die Lösung ist meist ganz einfach: Kommunikation. Besonders im letzten Fall ist es hilfreich, wenn der andere einfach ankündigt, was er tun möchte. Beispielsweise, indem er sagt: Ich gebe Ihnen jetzt die Hand. Die wenigsten Menschen kommen von selbst darauf, und wenn ich darüber rede, kommen meist das Aha-Erlebnis und die Einsicht, dass das doch ganz einfach ist. Klar ist es einfach. Es ist eigentlich ein bisschen wie ein Film mit Audiodeskription. Da wird ja auch das beschrieben, was der blinde Mensch nicht sehen kann. Wenn jemand vor mir steht und mir die Hand hinhält, kann ich das auch nicht sehen. Ich kann es vermuten, aber nicht wissen. Deshalb ist ein Hinweis in diese Richtung hilfreich. Übrigens: Das Händeschütteln selbst ist manchmal auch nicht so einfach. Die Hände auf Anhieb ineinander zu verschränken klappt jedenfalls nicht immer und das Nachkorrigieren, weil der eine seine Hand zu hoch oder zu niedrig angesetzt hat, ist dann auch immer eine recht amüsante Sache 😉 In diesem Sinne: Euch allen fröhliches Händeschütteln!

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