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In diesem Artikel berichtete ich über meine Startschwierigkeiten im Rathaus. Und da heute auch wirklich mal Sonntag ist, der Tag, an dem ich Bloggen wollte, möchte ich euch den Ausgang der Geschichte nicht vorenthalten.

Oh Gott, rückblickend weiß ich gar nicht mehr genau, wie ich die vier Wochen überstanden habe. Ich hasse es, wenn Dinge nicht so laufen, wie sie sollen, und noch mehr hasse ich es, wenn ich nichts dagegen tun kann. Deshalb habe ich ungefähr jeden Tag bei diversen zuständigen Stellen angerufen und nachgefragt, wie denn der Stand bzgl. meiner Arbeitsplatzausstattung sei.

Das Rathaus ist wirklich eine riesige Maschinerie. Ich bin zu Beginn schlichtweg nicht dahinter gestiegen, wer nun in welchem Fall wofür zuständig ist. Das einzige, was mal sicher war, ist, dass man wegen jedem Quatsch einen Antrag stellen muss 🙂 So geschah es denn auch mit meiner Software, die beim Integrationsamt neu beantragt werden musste. Als ich das hörte, sah ich erst mal schwarz und teilte allen Zuständigen mit, dass das jetzt bis zu einem halben Jahr dauern könnte, bis es genehmigt ist. Das sind jedenfalls meine Erfahrungen der vergangenen Jahre.

Ich rödelte also weiter mit meinem MacBook, bis mein mobiles Internetvolumen aufgebraucht war. Im GPRS Modus war der Hotspot praktisch unbrauchbar und ich fing an, mir von zu Hause aus Dokumente mitzubringen und E-Mails von zu Hause aus zu verschicken, während die anderen versuchten, den Antrag zu beschleunigen. Ich kann es nicht ausstehen, wenn ich so viel Aufwand mit Aktivitäten habe, die mich normalerweise viel weniger Zeit kosten.

Nach drei Wochen hatte ich dann genug. Ich fand, ich könne doch etwas Entgegenkommen erwarten, nachdem es ja wirklich nicht meine Pflicht sei, mit meinem privaten Laptop hier zur Arbeit zu erscheinen. Ich könne ja auch Däumchen drehen und sagen, sorry, mein Arbeitsplatz ist noch nicht da, also kann ich nix machen. Es war ja nun weiß Gott nicht so, dass ich mir den Pc nicht selber hätte einrichten können. Ich rief also bei der Computerabteilung an und forderte ziemlich energisch mit einer ähnlichen Argumentation wie weiter oben einen Internetzugang ein, damit ich zumindest etwas einfacher arbeiten konnte. Und das ging. Ich hatte Glück und bekam innerhalb von 24 Stunden einen Internet USB-Stick, der mir gute Dienste tat.
Leider konnte ich mich nicht selbst verbinden, weil die Telekom es anscheinend nicht für nötig befunden hat, das dazugehörige Programm barrierefrei zu programmieren. Glücklicherweise waren mir meine Kollegen immer gern behilflich.

Der Antrag liegt immer noch beim Integrationsamt, aber nach entsprechenden E-Mails von entsprechenden Leuten stimmte meine Sachbearbeiterin einem vorzeitigen Maßnahmenbeginn zu. Es ist übrigens wieder dieselbe Sachbearbeiterin wie die letzten Male auch. In der Stadt hat sich ein Herr sehr für mich eingesetzt, und dass ich die Sachbearbeiterin inzwischen auch persönlich kenne, half vermutlich auch. Ich konnte also Anfang Februar – nach 5 Wochen! – endlich richtig durchstarten. Die Software wurde installiert und läuft inzwischen einwandfrei.

In den letzten Wochen habe ich also einiges nachgeholt, was eigentlich zu Beginn einer Einarbeitung passiert. U. a. musste ich einige Formulare ausfüllen. Jetzt versuche ich der Stadtverwaltung beizubringen, dass auch interne Formulare bitte barrierefrei programmiert sein sollten. Da ich ja noch keine Arbeitsassistenz habe, ist das für mich besonders wichtig. Es ist natürlich nicht so, dass ich nicht immer jemanden zum Ausfüllen gefunden hätte, aber inklusiv ist das nicht. Mir hat mal jemand gesagt, man brauche doch nicht überall eine Blindenampel, wenn man auch Leute fragen könnte. Das stimmt natürlich, aber es entspricht weder dem Inklusionsgedanken, noch dem Gedanken der Selbstbestimmtheit. Außerdem gibt es Situationen und Ampeln, wo längere Zeit kein Passant vorbeikommt. Und genauso sehe ich das bei den Formularen auch. Bisher waren dem Thema gegenüber aber alle recht aufgeschlossen, sodass ich guter Dinge bin, dass wir das hinbekommen. Und so wurde aus dem Ratchaos wieder ein Rathaus, und alle lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.

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