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Das wusste schon Gottfried Keller, als er die gleichnamige Novelle schrieb, in der ein einfacher Schneider die Menschen durch seine vornehme Kleidung täuscht und sich als Graf ausgibt. Was denkt ihr, gehören blinde Menschen eher zu den Schneidern oder eher zu den Grafen?

Diese Frage lässt sich natürlich nicht so ohne Weiteres beantworten, denn jeder Mensch zieht sich anders an. Dem einen ist es wichtig, gut auszusehen, dem anderen eher nicht. Der eine fühlt sich in Anzug und Krawatte wohl, der andere in Jogginghosen und Turnschuhen usw. Das einzige, was sicher ist, ist, dass ich zu diesem Thema immer wieder dasselbe gefragt werde 🙂

Wie gehst du Kleider einkaufen?

Mit 25 bekam ich meinen ersten Job in einer psychotherapeutischen Klinik. Bis dahin war ich eigentlich immer nur in Jeans und Pulli unterwegs gewesen, aber als der Berufseinstieg anstand, wollte ich mich etwas seriöser kleiden. Nachdem ich beim Schuhekauf für meine Diplomfeier gefragt worden war, ob die Schuhe für den Abiball seien, fing ich an, mir schicke Kleidung zu kaufen in der Hoffnung, dadurch ein bisschen älter und v. a. erwachsen auszusehen. Ich dachte, vielleicht nehmen mich Patienten dann auch ernster, wenn ich eben nicht in Jeans und Turnschuhen herumrenne, sondern in Bügelfaltenhosen und Blusen. Ob mir das gelungen ist? Weiß ich nicht. Ob ich erwachsener ausgesehen habe? Keine Ahnung. Aber zumindest habe ich mich seriöser und erwachsener gefühlt, und mittlerweile habe ich wirklich viel Freude daran, mich schick und elegant anzuziehen. Ich mag es, verschiedene Farben zu tragen, und auch wenn ich nicht jeden Tag in Bügelfalten und Bluse auftauche, so werde ich doch sehr häufig gefragt, wie ich meine Kleidung kaufe.

Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich sehr einfach. Ich gehe mit einer Person meines Vertrauens einkaufen. Meistens ist es meine Mutter, aber manchmal auch meine Schwester. Sie wissen, was mir steht, und ich weiß, dass ich gut beraten werde. Von Verkäufer_innen kann man dies leider nicht immer behaupten. Es gibt einige Läden, wo man hinein geht, und die sagen „Oh toll!“ egal, was man an hat. Ich weiß aus Insider Quellen, dass das von einigen Geschäftsleitungen auch so gefordert wird. Wenn man allerdings blind ist und das eigene Aussehen nicht einschätzen kann, ist das natürlich fatal.

Und bevor jemand fragt: Natürlich merkt man, ob einem was zu groß oder zu klein ist. Allerdings gibt es auch Momente, wo ein Auge einfach unbedingt nötig ist. Manchmal fühlt man sich in einem Teil total wohl, aber es steht einem nicht, weil man darin z. B. blass aussieht. Das kann man aber nur beurteilen, wenn man die Farbe des Kleidungsstücks und den eigenen Teint sehen kann. Oder irgendein anderes Teil fühlt sich zu breit an, und dann sagt einem jemand, dass das aber genauso breit getragen wird. Oder manche Teile kann man nicht gut in Kombination tragen, weil ein kurzes Oberteil vielleicht nicht so gut zu der Hose passt wie ein langes usw. Das sollte man sehen. Wenn man der Jeans und Turnschuh Typ ist, ist das vielleicht nicht ganz so relevant, wie etwas zueinander passt. Mit Jeans kann man ja eigentlich fast alles anziehen 😉 Aber wenn man was Elegantes kaufen möchte, hilft es schon sehr, wenn man ein Auge dabei hat, das den eigenen Geschmack kennt und eine vernünftige Meinung zum Thema hat.

An dieser Stelle möchte ich es aber auch nicht versäumen, ein bisschen Werbung für meinen Lieblingsladen in Erlangen zu machen: Bei East habe ich schon ziemlich viel Geld gelassen, aber ich trage die Sachen auch unheimlich gerne. Erstens, weil sie nicht jeder hat, und zweitens, weil ich dort auch sehr gut beraten werde.

So etwas geht natürlich nicht von heute auf morgen, aber wenn man in Läden öfter hineingeht, dann lernen die Verkäufer_innen einen kennen. Und natürlich gibt es auf Verkäufer_innen, die einen gut beraten und nicht einfach irgendwas verkaufen wollen, das gar nicht zu einem passt. Das finde ich aber auch wichtig, denn man kann ja vielleicht nicht immer mit der Familie Kleider einkaufen gehen. Da ist es ein beruhigendes Gefühl, wenn man weiß, man kann in einen Laden gehen und dort eine gute Beratung bekommen.

Wie schaffst du es, dass die Farben immer so gut zusammen passen?

Das ist eigentlich relativ einfach. Das erste, was ich versuche, ist, mir zu einer Hose immer gleich mindestens ein Oberteil mit dazu zu kaufen. Dann kann ich diese beiden Sachen immer zusammen aufhängen oder ineinander legen und weiß, dass das passt.

Diese Strategie klappt natürlich nicht immer. Außerdem ist es ja auch manchmal so, dass man zu einer Hose mehrere Oberteile braucht, weil man sich z. B. bekleckert hat, die Hose aber noch sauber ist und noch mal angezogen werden kann. Dann ist es gut, wenn man jemanden hat, mit dem man seine Kleidung einmal vorsortieren kann. Bei mir klappte das damals ganz gut, da ich ja unter der Woche in Sigmaringen war und am Wochenende nach Hause pendelte. Zu Hause habe ich dann Wäsche gewaschen und meine Mutter hat mir die Kleidung sortiert und so zusammengelegt, dass ich nichts falsch machen konnte.

Mit der Zeit lernt man seine Kleidung kennen. Ich habe zwar ein Farberkennungsgerät, aber das gibt manchmal ziemlichen Schrott von sich. Beispielsweise habe ich ein T-Shirt, das angeblich „Olivgrün grau blau“ ist. Mhm ja is klar. Mit so einer Aussage lässt sich natürlich nicht so viel anstellen. Deshalb habe ich es mir angewöhnt, eine Kleidungsdatei zu führen. Dort schreibe ich hinein, welche Teile zusammen passen. Ich notiere mir hier immer ein besonderes Merkmal, anhand dem ich das Teil wiedererkennen kann. Bei manchen Teilen, v. a. Longsleaves, ist das allerdings nicht so einfach. Wenn die einfach aus Stoff sind ohne irgendwelchen Schnickschnack und man mehrere ähnliche besitzt, muss die Farbe her. Dann kann ich z. B. aufschreiben, dass ich das Longsleave meine, wo die Farberkennung graublaugrün sagt. Das klappt dann auch.

Wie klappt es mit dem Waschen?

Ich habe Kleider in schwarz, weiß, blau, grau, grün, rosa in allen Variationen, rot, beige, lila und braun. Und vermutlich habe ich noch einige Farbnuancen vergessen. Ich muss zugeben, dass das mit dem Waschen nicht immer so einfach ist. Inzwischen bekomme ich das mit dem Sortieren aber relativ gut hin. Ich habe auch kleine Metallplättchen mit Braillemarkierungen für verschiedene Farben. Diese helfen mir beim Waschen sehr. Allerdings müssen sie angenäht werden, und ich gebe zu, dass ich da noch etwas im Rückstand bin.

Ich sortiere meine Kleidung in dunkle Wäsche und Buntwäsche. Rot geht getrennt. Ebenso 60 Grad in jeweils hell und dunkel. Das geht meist relativ gut, weil ich bei bestimmten Lichtverhältnissen zumindest noch erkennen kann, ob ein Teil hell oder dunkel ist. Zusammen mit den Farbplättchen und dem Farberkennungsgerät komme ich meistens gut zurecht.

Ich gebe aber zu, dass ich auch schon einzelne Kleidungsstücke versaut habe. Ich habe z. B. einen Pullover bei 30 Grad gewaschen, der eigentlich in die Handwäsche gehört hätte. Der ist dann ein wenig eingegangen, aber ich trage ihn immer noch – 7/8 Ärmel sollen ja angeblich modern sein 😉
Informationen zur Handwäsche schreibe ich auch manchmal in meine Datei, allerdings nicht so oft, weil ich die Datei inzwischen nicht mehr so oft brauche. So kann es dann doch mal passieren, dass etwas bei 30 Grad gewaschen wird, das eigentlich per Hand gereinigt werden muss. Aber was soll’s. That’s life.

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