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Mein letzter Eintrag ist schon ziemlich lange her, und nein, ich werde an dieser Stelle nicht schwören, dass ich in Zukunft wieder regelmäßiger schreiben werde, denn ehrlich gesagt, keine Ahnung, ob ich es tun werde. Aber heute ist eine gute Gelegenheit, um euch von meinem neuen Projekt zu erzählen.
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Letztens erzählte mir jemand aus dem Orchester, in dem ich spiele, dass er zum Altmühlsee fährt, und irgendwie kamen wir darauf, dass dieser See gut zum Windsurfen geeignet ist. Windsurfen, was war das doch gleich? Achja, irgendwie was mit einem Brett und einem Segel … hmmm ja, und geht das überhaupt, wenn man nix sieht? Wir wussten es nicht, aber die Person meinte, theoretisch müsste man ja auch spüren können, wo der Wind ist, also müsste es gehen. Dann habe ich mal eine kurze Internetrecherche gestartet. In Amiland gibt es natürlich Leute, die blind sind und das als Sport betreiben. Also muss es irgendwie gehen. Mein Ehrgeiz war geweckt.

Also suchte ich nach einer Schule am Altmühlsee. Ich wurde dank Google auch rasch fündig. Einen Tag lang habe ich die Idee noch gewälzt und heute dann dort angerufen. Ein bisschen Bammel habe ich vor solchen Anrufen schon, da ich ja selbst nicht genau weiß, ob etwas geht, und sehende Menschen erfahrungsgemäß erst einmal dazu neigen zu behaupten, dass etwas nicht geht. Entkräften kann man das dann in der Regel nur, wenn man bereits genau weiß, dass was geht, wie es geht, wer es schon mal gemacht hat und wer Näheres dazu wissen könnte. So gut war ich aber nicht vorbereitet. Mir war irgendwie nicht so danach. Mal ehrlich, welcher nicht behinderte Mensch liest sich vorher die Theorie an, um dann einen Kurs zu buchen? Vermutlich nur Freaks, denn meistens kann man als nicht behinderter Mensch ja einfach irgendwo hingehen und teilnehmen.

Ich hatte aber wirklich Glück auf eine aufgeschlossene Schule zu treffen, und ich wurde sogar noch überrascht. Nachdem ich mein Anliegen vorgebracht hatte, wurde ich erst einmal an einen Windsurflehrer weitergeleitet, da er diese Sache besser beurteilen könne. Der Lehrer war zunächst ein wenig unsicher. Er meinte, er sei sich nicht sicher, ob er mir den Sport ohne eine Zusatzausbildung vermitteln könne, aber er wisse, dass es so etwas schon gegeben habe. Das klang für mich aber auf jeden Fall ermutigend. Nach einigem Hin und Her haben wir dann beschlossen, dass wir es einfach mal drauf ankommen lassen. Ich habe jetzt also einen Termin. Dekadenterweise – haha – habe ich Privatstunden gebucht. Aber ich halte das auch für die sinnvollste Möglichkeit, da ich in einer „normalen“ Gruppe vermutlich nicht so klar kommen würde und ja auch nicht die Abläufe stören kann. Beim Skifahren hat das jedenfalls nicht gut funktioniert, und ich bin mit dieser Lösung erst einmal zufrieden und extrem gespannt darauf, was mich erwartet. Am 2. Juli ist es soweit, sofern von beiden Seiten nichts dazwischen kommt.

Übrigens erzählte der Surflehrer mir, er hätte schon einmal jemand taubstummen gehabt, aber das sei ja was ganz anderes. Trotzdem hat das möglicherweise dazu beigetragen, dass man meinem Anliegen nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber stand.

Nachdem also alle Details besprochen waren und ich schon auflegen wollte, wurde ich gebeten, noch dran zu bleiben, weil der Webdesigner mit mir sprechen wollte – jaja, inzwischen wussten vermutlich alle in näherer Umgebung des Telefons, dass eine Blinde am Apparat war. Der Webdesigner wollte dann von mir wissen, ob ich die Schule über die Webseite gefunden hätte, und als ich dies bejahte, fragte er mich, wie ich denn mit der Webseite zurecht gekommen sei. Das fand ich richtig super. Es hat mich aber auch ein bisschen kalt erwischt, weil ich nicht so sehr darauf geachtet hatte. Insgesamt ging es ganz gut, teilte ich mit. Mir war aber auch eine Sache aufgefallen, nämlich dass ich ein paarmal den Fokus verloren hatte. Das sagte ich dann auch. Allerdings konnte ich nicht mehr sagen, an welcher Stelle das passiert war, ich bot aber an, mir die Seite noch einmal genauer anzusehen. Wir verblieben dann so, dass wir uns ja vor Ort vielleicht noch mal darüber unterhalten könnten. Ich werde mir das Ganze also noch einmal ausführlich anschauen und vielleicht auch noch ein kleines Feedback zusammenschreiben. Ich finde, wenn jemand sich schon dafür interessiert, dass eine Webseite zugänglich gestaltet ist, dann muss das auch honoriert werden. Und jetzt freue ich mich erst mal auf den 2. Juli und hoffe, dass das Projekt erfolgreich verlaufen wird 🙂

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