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Ich bin gerade so sauer, dass ich ausrasten könnte! Manchmal frage ich mich, wer eigentlich was von wem will. Ich meine, das Finanzamt möchte gerne Geld von mir. Also muss es doch möglich sein, mir die Daten zu übermitteln, die ich brauche, um zu bezahlen. Aber fangen wir ganz von vorne an.

Da ich freiberuflich meine Therapiestunden für meine Ausbildung absolviere und eine Teilzeitstelle zusätzlich habe, muss ich jedes Quartal eine Steuervorauszahlung leisten. Anfangs war dies nicht nötig, da ich offenbar nicht genug verdient habe, um Steuern zu bezahlen oder eigentlich weiß ich nicht genau, wieso ich das seit diesem Jahr machen muss. Letztes Jahr hatte ich die Vorauszahlung für 2016 gleich mit dem Steuerbescheid von 2015 erhalten. Dieses Jahr erhalte ich jedes Quartal ein Schreiben. Natürlich ist dieses Schreiben in Schwarzschrift. Ehrlich gesagt verstehe ich das alles nicht so richtig. Ich habe letztes Jahr endlich meinen Steuerbescheid in Blindenschrift erhalten. Die Zahlungsanweisungen für meine Steuernach- bzw. -vorauszahlung habe ich aber ausschließlich in Schwarzschrift erhalten. Und so ist es auch mit den Steuerhinweisen. Ich erhalte sie jedes Quartal nur in Papier und … Tinte hätte ich fast gesagt.

Das Problem ist, dass beim Scannen oftmals einzelne Zahlen nicht richtig sind. Diesmal hängt es am Verwendungszweck. Da sind einerseits Buchstaben und Zalen und komische Zeichen gemischt. Andererseits ist da eine Nummer, von der ich nicht weiß, ob sie nun zum Verwendungszweck oder zur Kundenreferenz gehört. Ich weiß schon, als Sehender kann man sich das nicht vorstellen, aber im gescannten Zustand hat so ein Dokument nicht unbedingt mehr eine vernünftige Ordnung.

Das Finanzamt hat aber nur Montagnachmittag auf. Ich habe es also endlich geschafft, dort anzurufen und mein Problem zu schildern. Kommentar des Beamten: „Haben Sie denn da keinen, der Ihnen das vorlesen kann?“

Nein, du Witzbold, sonst würde ich dich ja nicht damit behelligen. Außerdem bin ich ein mündiger Mensch und entscheide selbst, welche Schriftstücke ich mit Sehenden teilen möchte und welche nicht. Und darüber hinaus würden ja so engstirnige Leute wie du nix lernen, wenn die blinden Menschen sich immer schön brav betreuen ließen und am besten nicht mal bemächtigt wären, selber irgendwas zu unterschreiben …

Ich habe nichts davon gesagt. Ist vielleicht auch ganz gut so, aber ehrlich gesagt hat mich diese Frage, die ich echt schon lange nicht mehr gehört habe, so schockiert, dass mir nichts einfiel. Ich habe also einfach nur nein gesagt und gewartet. Das war vielleicht in diesem Moment nicht schlecht, denn am anderen Ende blieb es erst einmal ein paar Sekunden lang still. Ich habe ja mit Schweigepausen kein Problem, also habe ich weiter gewartet. Dann wurde ich nach meiner Steuernummer gefragt. Der Herr erklärte dann, er wisse nicht, was für ein Anschreiben ich da vorliegen hätte … Häh? … Ich meinte, ich hätte das von ihm bekommen, zumindest stünde seine Telefonnummer drauf. Daraufhin meinte er, das könne eigentlich nicht sein .. ja nee, is klar. Er gab mir dann die Telefonnummer der Finanzkasse in Schwabach. Ich möge doch dort anrufen und das mit denen klären.

Grrrr … Also gut. Ich also die Telefonnummer gewählt und gewartet. Nach mehrmaligem Klingeln meldete sich eine automatische Ansage. Dass die Stelle, deren Nummer ich gewählt hätte, nur Teilzeit besetzt sei. Dass ich doch bitte möglichst vormittags zwischen 08:15 und 11:00 Uhr erneut anrufen sollte. Hallo? Also bei aller Liebe, wenn ich nicht berufstätig wäre, müsste ich mich gar nicht mit so albernen Schreiben herumschlagen. Und ihr habt nicht mal einen Anrufbeantworter, auf dem ich eine Nachricht hinterlassen kann? Sorry, das ist armselig. Haben wir in der Stadt zwar teilweise auch nicht, aber das finde ich genauso armselig.

Inklusion, quo vadis?
Ich werde jetzt noch mal den Brief suchen, ich weiß gar nicht mehr, wo er ist, und eine Person meines Vertrauens, um den Betrag endlich zu überweisen. Und anschließend werde ich noch mal einen Brief schreiben und mitteilen, dass ich die Zahlungsmitteilungen zukünftig in Blindenschrift benötige, da ich mich ansonsten außer stande sehe, den Zahlungsaufforderungen rechtzeitig nachzukommen. Ob ich rechtlich hierfür überhaupt eine Grundlage habe, weiß ich ehrlich gesagt nicht genau, aber was soll ich bitte mit einem Bescheid, wenn ich die zugehörigen Zahlungen nicht ausführen kann? Das widerspricht doch jeder Logik, oder bin ich einfach nur zu blöde, es zu verstehen? Vielleicht habe ich ja zumindest Glück und erreiche durch meinen Brief eine klitzekleine Sensibilisierung. Wenn die schon Geld von mir wollen, dann sollen sie sich gefälligst ein bisschen bemühen. Bei anderen Behörden klappt das doch auch, und zwar ohne dass ich ständig hinterhertelefonieren muss!

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